Sevilla

Unsere Reise führt uns nicht zum ersten Mal ins geplant Ungewisse. Ich kündige es vorsichtig so an: „Ich habe eine schöne Route für uns rausgesucht…“.
Damit ist uns beiden klar: es wird kurvig, holprig und eng – mit einzigartigen Momenten in Landschaft und Bild.
Wir fahren wieder einmal durch einen Parc Natural, unsere Eindrücke sind zu intensiv. Eine Landschaft, die wir so nicht erwartet haben. Wir wollten schnell nach Sevilla. Ein Trugschluss. Wir fahren mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30km/h. Intensiv trödelig.

Deshalb macht es uns auch so viel Spaß. Unterwegs halten wir an, weil wir Wasser gefunden haben. Eine alte römische Tränke für Mensch und Tier. Wir füllen wieder Kanister auf.

Ganz nebenbei nehmen wir den Frühling wahr. Seit Wochen blüht es am Wegesrand und verschiedene Frühlingsboten überziehen die Landschaft.

Sevilla erreichen wir einen Tag später und sind wie immer mit der Metropole überfordert. Das erste, was uns erwartet: sind die kleinen Kriminellen, die jedem ein paar Euros aus der Tasche ziehen möchten. Ich gehe in Abwehrhaltung. Auch ohne Platzanweiser wird es ein Leichtes einen geeigneten Parkplatz im Stadtzentrum zu finden.

Sevilla gefällt uns im ersten Anlauf gar nicht. Dabei treffen wir in der Stadtinformation auf eine agile Deutsche, die uns gute Tipps mit auf den Weg gibt. Ich schlage vor, auch hier zwei Tage zu verbringen. Aus unserer Reiseerfahrung mit größeren Städten heraus. Bisher brauchten wir mehr als einen Tag, um uns an die Eigenart einer Stadt zu gewöhnen. So schlendern wir abends gemütlich durch Sevilla und finden es richtig nett. Wir lassen uns von der Laune der Stadt treiben.

Unsere Empfehlungen: die Markthallen, die Innenstadt inklusive Stadtviertel erkunden, die Architektur genießen, vor allem die CAAC, der Park Maria Luisa mit den einzigartigen Gebäuden und wer’s mag Flamenco-Show in den Cultural centre.


Auch das Naturkundemuseum können wir empfehlen. Vor allem, wenn man vom Regen überrascht wird. Fasziniert entdecken wir hier eine Tutanchamun-Ausstellung und sind begeistert von der vor dem Museum aufgebauten Recyclingstation. Ein Teilprojekt des Museums, welches auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz verweist.

Einige kritische Worte liegen mir am Herzen hinsichtlich des Konsumverhaltens unserer Zeit. Die Einkaufstempel habe ich bereits erwähnt. Fatal ist der Zustand unserer Wegwerfgesellschaft. Wir finden in Spanien lediglich auf dem Wochenmarkt regionale Produkte. Mag das an der Jahreszeit liegen. Wir kommen selten in den Genuss von einfachen Märkten. Nach ursprünglichen Produkten müssen wir lange suchen.

Überüberüber…verloren im Dschungel der heutigen Zeit

Biologische Produkte finden wir wiederum fast ausnahmslos im Supermarkt. Angeführt von Aldi und Lidl. Hier werben, wie auch in den anderen Supermärkten, große Plakate für organico. Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass ausgerechnet in diesen Einrichtungen Kampagnen für biologische Produkte laufen. Gefühlt werden die Leute hier zum Umdenken durch die Supermärkte angehalten. Während bei uns die Supermärkte vom Kunden zum Bioprodukt gefunden haben. Das Thema werde ich an anderer Stelle vertiefen, da wir auf der Suche nach guten Produkten sind.

Korkladen

Uns berührt die Landschaft der Iberischen Halbinsel. Wir lieben die ursprünglichen Eichenwälder, zu denen auch die Korkeichenbestände gehören. Insgesamt gibt es hier acht verschiedene Eichenarten. Bei uns im norddeutschen Raum gibt es nur die Stiel- und Traubeneiche.

Betroffen sind wir von der sinnlosen Verarbeitung des Naturkorks. Wir würden uns wünschen, dass die Produkte nachhaltig und ohne Plastik hergestellt und angeboten werden. Vielen Souveniren sieht man die billige Verarbeitung aus Asien an. Dabei hat der heimische Markt eine Menge handwerklicher Fähigkeiten und Produkte zu bieten. Nur durch unser Kaufverhalten haben diese Handwerkstraditionen eine Zukunft.

Geschälte Korkeichen
Niebla

Von Sevilla geht’s weiter Richtung Niebla. Irgendwo müssen wir übernachten. Wir entscheiden uns für diese Stadt. Niebla wirkt, wie viele spanische Kleinstädte in Andalusien, etwas verlassen. Die historische Stadtmauer mit ihren Stadttoren und vielen Türmen ist gut erhalten. Das schauen wir uns gern an.

Der eigentliche Höhepunkt am Morgen führt uns zurück in die Steinzeit. Wieder einmal lenke ich unsere Route in diese Vergangenheit. Die Spanier haben ihre steinzeitlichen Grabanlagen richtig gut restauriert und historisch aufgearbeitet. Die Objekte sind bewacht, gut zu finden, manchmal auch mitten im Acker, aber fast immer gut dokumentiert und ausgeschildert.

Dolmen von Soto
Steinritzungen
Eingang Hügel

Kurz vor Huelva entdecken wir freudig einen Flohmarkt. Enthusiastisch erstürmen wir ein Terrain, das uns mehr abstößt als anlockt. Wir laufen zwischen Müll und Trödel rauf und runter. Und kaufen letztlich bei den wenigen authentischen Bauern Obst und Gemüse für die nächsten Tage. Die Oliven, die wir entdecken, sind köstlich.

Endlich Huelva. Eine Stadt, die wohl ins Abseits gerutscht ist. Schade, denn an sich hat sie eine traumhafte Lage und bewegte Geschichte. Schließlich liegt ihr das Meer zu Füßen. Wir tanken ein letztes Mal in Spanien, da jenseits der Grenze die Preise höher liegen. Die Überfahrt über die Brücke ist beeindruckend. Zwei Urgewalten, die ineinander fließen, an der Grenze stets gegeneinander kämpfend. Auch die Farben, die das Watt hier anzubieten hat, sind differenziert, verhalten, erdig. Der Fluss schlängelt sich mäandrierend hindurch – immer dem Druck und Sog folgend.

Und dann endlich: Portugal.

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