Bemerkenswert

Wer schreibt hier

Ich bin Kristin. Ich nehme mir gerade eine Auszeit, um den Südwesten von Europa kennen zu lernen. Vor allem Menschen und deren Geschichten. Lebensgemeinschaften, die sich mit nachhaltigem Dasein beschäftigen. So wie ich.

Vor vier Jahren ist in mir der Wunsch entstanden, die Winterzeit einmal woanders als in Norddeutschland zu verbringen. Das ist nur ein Grund.

Mein erstes Ziel war Amerika. Das habe ich wieder verworfen.
In diesem Sommer kam eher zufällig ein Syncro T3 in meinen Besitz. Öko und Auto passte bisher nicht für mich. Seit 15 Jahren fahre ich Erdgas. Das alleine ist schon eine lange Geschichte…
Bald war jedoch klar: zusammen gehen, der noch orangefarbene Bulli und ich, auf grüne Entdeckungstouren. Vorerst nur im Winter.

Dabei muss ich voranstellen, dass sich meine Reise mit den guten Dingen des Lebens beschäftigt. Ich habe 25 Jahre Aufbauarbeit geleistet, viel gelernt, ausprobiert, Kinder groß gezogen, Häuser ökologisch saniert, Gärten angelegt und Nachhaltigkeit in meiner kleinen Welt vermittelt. Ich bin sehr neugierig wie es um mich herum aussieht. In diesem Thema. Für gute Tipps, Adressen und besondere Menschen und Orte bin ich total dankbar.


Bemerkenswert

Mit dem Bulli unterwegs…


Wann geht’s endlich los?

Eines Tages wirst Du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge, die Du immer wolltest. Tu sie jetzt. 
— Paulo Ceolho

Eine Woche noch, dann geht die große Reise los?
Nein.
Doch noch nicht…

Deshalb besuche ich in dieser Zeit entspannt Freunde auf verschiedenen Ebenen. Heute war ich mit Sigrid in den Pilzen. Wir lieben Pilze, aber es gab kaum noch welche. Wir lieben auch unsere intensiven Gespräche im Wald, in den Wiesen oder an der See, Hauptsache draußen.

Am Morgen habe ich meine berühmte Beinwellsalbe abgefüllt. Dafür ernte ich im Sommer besondere Lieblingskräuter in meinem Garten. Ich packe sie in ein hohes Glas und gebe Öl darauf. Beinwell, Johanniskraut, Frauenmantel, Schachtelhalm, Majoran, Eisenkraut.
Schön für sechs Monate in die Sonne gestellt und im Spätherbst abgeseiht. Farbe und Aroma sind wieder wunderschön in diesem Jahr. Eine Wohltat für Leib und Seele. Beinwellsalbe so zusammengebraut wirkt Wunder.

Nebenbei habe ich auch Propolistinktur gebraut. Allein der Geruch ist so umwerfend und ursprünglich. Eine Kombi aus Propolis und Beinwellkräuteröl packe ich in meine Reiseapotheke. Was packe ich außerdem ein: Heilerde, Mg, Jod, Kohle, Teebaumöl, Lavendelöl, Kaisernatron, Schwefel, Kokosöl für alle Fälle… und noch ein paar Insider aus der Kräuterapotheke.

Barcelona ist das erste größere Ziel meiner Reise. Bis zum 16.12.2019 möchte ich dort sein. Ich bin verabredet. Vorher unterwegs in Rotterdam, Amsterdam, Hengelo, der Normandie, entlang der Küste durch die Bretagne und dann runter nach Spanien.

In fünf Tagen sollte der Bulli auf dem Hof stehen. Das war der Termin zur Abfahrt. Verschoben. Inzwischen bin ich beim 25.11. angekommen. Aber dann geht es endlich los. Versprochen.

Zurück in Deutschland und was nun?

Wir genießen die BioFach in Nürnberg an den zwei letzten Tagen der Messe. Die BioFach ist eine der interessantesten und wichtigsten Messen der Biobranche überhaupt. Eine Weltleitmesse, die wirklich viele Produzenten und Händler zusammenbringt.

2020 besonders auffällig: ungewohnte Leere in den Hallen. Kaum Esprit unter den Leuten und obendrein auch wenig übliche Bioszene anzutreffen. Dafür viel zu viele Männer in Schlipps und Kragen. Bin ich auf einer Automesse, frage ich mich irritiert. Es stinkt förmlich nach Profit. Die Biobranche hat ihren Charme hier ganz offensichtlich aufgegeben. Jeder zweite Aussteller spielt und daddelt auf seinem Handy herum. Wer kann sich das bei diesen Preisen leisten? Enttäuscht fokussieren wir uns auf unser bisheriges Thema: Kleinproduzenten! Wir haben Termine, die wir auch wahrnehmen, mit echten Produzenten. Sie holen uns gottlob wieder in unsere Begeisterung zurück. Und mit ihnen erleben wir intensive und gute Gespräche.

Quelle bei Vorra in der Fränkischen Schweiz

Auf dem Rückweg lassen wir uns Zeit: Wasser, Landschaft und Berlin. Wir möchten entspannt zu Hause ankommen und so bummeln wir aus Nürnberg ganz gemütlich Richtung Norden – mit einigen Aufgaben an Bord, die wir unterwegs abzuarbeiten haben. Wasser brauchen wir auch jetzt noch und so fahren wir kurz durch die Fränkische Schweiz. Das Wasser sprudelt hier an vielen Ecken und zum Teil sogar aus der Erde. So oder ähnlich hatte ich es mir für die ganze Reise gewünscht…

Eine Gegend zum Wiederkommen

Nach einem Besuch in der Nähe von Leipzig fahren wir entspannt weiter durch die Heimat. Von Leipzig die Landstraßen Richtung Berlin. Das Wetter bleibt unangenehm, aber der Regen wird dünner. Das Grau des Winters hat uns wieder… am Himmel, an den Häusern und in der Landschaft.

Heimat

Drei Wochen später überrollt uns eine Welle, die wir wenig beeinflussen können und wollen. Doch aufgrund der anstehenden Arbeit bleibt nur ein großes Aufatmen.
Durch die Ausbreitung des Virus bzw. durch Maßnahmen der Regierungen verfängt sich die Situation auf dem Hof in eine machbare Dimension. Völlig entspannt arbeite ich mich durch den Garten, die Kräuter und alle anfallenden Arbeiten, die ich mir zum Teil gar nicht hätte leisten können. Aus Zeitnöten.

Als ersten Akt erledigen wir zu viert das Fällen von Bäumen. Die vor über 30 Jahren gepflanzten Fichten, die zu groß geworden sind, müssen weg. Dabei stand für mich Ende Februar nur eine Aufgabe ganz oben: Weiden auf den Kopf setzen. Brenn, Bau- und Flechtholz. Inzwischen sind wir fast drei Wochen mit den Aufräumarbeiten nach Feierabend beschäftigt. Die Arbeiten dauern noch Wochen an.


Auf meinem Selbstversorgerhof wird alles verwertet. Selbst das anfallende Fichtengrün bekommt seinen Platz im definierten Kreislauf. Da der Schutz zur Straße durch den enormen Eingriff komplett wegfällt, nutze ich das viele Reisig, um eine Benjeshecke aufzubauen. Davon profitieren alle: das Mikroklima der angrenzenden Obstwiese, die Vögel, die gerade jetzt in Hochform ihres Nestbaus sind, und auch ich, weil das Obst viel mehr Luft und Licht bekommt und vom Blühen bis zum Fruchten aufatmen wird.

Trautes Heim im Weidenhorst

Und dann erwischt uns neben Corona auch noch die verspätete Winterkälte, die immer zuschlägt, wenn Winter zu mild ausfallen. Die Vegetation ist zum Glück noch am Schlummern, auch wenn alles in den Startlöchern steht.

Doch Corona hat eine übergreifende Dimension. Auf dem Hof merken wir noch wenig davon, nur die Saison wird ausbleiben. Erst in dem Moment, wo wir als selbständige Unternehmen aufhören Geld zu verdienen, kommt das Desaster auch bei jedem von uns direkt an. Eine gute Versorgung mit essentiellen Lebensmitteln bleibt uns und so arbeiten wir uns weiter durch alle anstehenden Arbeiten des Frühjahrs. Ich habe den Hof so aufgebaut, dass ich jederzeit davon satt werden kann. Selbstversorgung eben.

Fast startklar für die Saison.
Kräutertöpfe fit und fertig,
Schneeblüte im Apfelbäumchen …
… und echte Prinzen im Garten!

Zu guter Letzt: erinnern wir uns mit vielen guten Anekdoten, Bildern und Geschichten an unsere außergewöhnliche Reise. Klar würden am liebsten gleich wieder auf die Piste. Wir haben noch soviel zu entdecken und schreiben schon den nächsten Reiseplan in Gedanken. Wohin es gehen wird, bedarf noch einer beiderseitigen Einigung. Ich bin für Portugal, vielleicht dieses Mal mit einem längeren Abstecher nach Nordafrika als machbaren Kmpormiss und mit Reisepässen im Gepäck. Die Biofach hat uns schöne Kontakte in Tunesien und Marokko eröffnet. Kleine Farmen mit begeisterten Menschen. Ein schöner Grund, dort anzukommen. Portugal, weil wir dort noch eine Menge zu entecken haben. Und es liegt fast auf dem Weg…
Doch erst einmal haben wir eine Saison vor uns, die wir trotz Corona und Krisenmanagement mit viel Elan und Ideen umsetzen möchten. Das Ziel ist auch in diesem Jahr Menschen zu begeistern für ein gutes und liebenswertes Dasein auf diesem blauen und schönen Planeten. Grün und gesund!

— und wer weiß, wie der nächste Humboldt aussehen wird ((-:

The lost paradises

Marseille

Marseille
Unser Treffpunkt liegt mitten am Hafen. Wir haben den Hafen wie immer im Visier als machbaren Parkplatz. Dabei streifen wir die Carmague und fahren ohne Zwischenstopp durch Arles, um am alten Hafen von Marseille zu landen. Dort angekommen, bemerken wir erst, dass wir am falschen Treffpunkt gelandet sind. Das Navi hat sich dieses Mal nicht geirrt, wir allerdings schon. Wenig später sind wir mitten im Treiben der gepriesenen, südfranzösischen Stadt am Meer.


Zu dritt erkunden wir am Nachmittag die Straßen und Plätze. Klar ist die Notre Dame, die uns auf der Hintour so begleitet hat, wieder ein Muss. Aber viel aufregender ist das hippe Viertel Thies, in dem ich voll auf meine Kosten komme. Hier gibt es Kräuter, Düfte, Dinge, an denen ich einfach nicht vorbei komme. Und die geliebte Seife, die in Marseille nach alter Tradition hergestellt wird. Meine Empfehlung: Saladini! Es reicht schon, nur mit der Nase dort einzukaufen. Ich liebe die Düfte und den Geschmack des Orients. Hinzu kommen sehr ambitionierte Verkäufer.



Saint Tropez
Es geht weiter die Via Aurelia entlang nach Hyères. Für M. viele schöne Erinnerungen, die ihn mit diesem Ort und der Gegend verbinden. Für mich Neuland. Wir fahren bis runter an den Strand zum LA TOUR FONDUE und wandern ein wenig bei kaltem Wind an der südlichsten Spitze des Küstenortes und des ganzen Landes entlang. Beine vertreten, Meer genießen. Seele kurz baumeln lassen, Distanzen überwinden.
Flamingos sind ein Muss, die Salinen ziehen sich den ganzen Weg entlang und mittendrin dürfen sie nicht fehlen. Laut M. sind sie im Sommer zahlreicher vertreten. Wir sehen hier und da einige der imposanten Vögel im salzigen Wasser herumstacken.

Salinen



Am Abend erreichen wir Saint Tropez, nachdem wir unterwegs sehr gut in unserer Bordküche gespeist haben. Auf Parkplatzsuche durch die Stadt treibend, die mir persönlich recht verlassen und vergessen vorkommt, landen wir ganz oben an der Zitadelle. Und fahren auch gleich wieder runter.
Einigermaßen gerade müssen wir stehen, um gut zu schlafen.
Am Meer werden wir fündig und bleiben die Nacht stehen. Anfang Februar ist hier alles leer. Etwas weiter rein – direkt am Hafen – trifft man sich, ähnlich wie in Marbella, zum Essen und Brunchen. Wir bummeln stattdessen den Hafen entlang, um Boote zu erleben. Doch die großen liegen wohl eher in wärmeren Gefilden und kommen erst im März wieder hierher. Nix los in Saint Tropez.


Am Morgen schauen wir uns das Ganze noch einmal an. Wir haben zufällig direkt neben einer Strandbar genächtigt. Mit Blick auf’s Meer und morgendlichem Bad.
Stillschweigend leisten wir uns wenig später hier in der Strandbar einen Kaffee. Nebenbei schreibe ich am Blog weiter. Die Ruhe tut uns sehr gut, da wir etliche Kilometer in den letzen Tagen gefahren sind. Meine Seele kommt kaum hinterher. Gefühlt bin ich noch in Portugal. Doch nun habe ich ein paar Nachrichten zu schreiben, mich zu melden und Post aufzuarbeiten. Dem Gastwirt gefällt es weniger. Er lauert auf gut betuchte Gäste. So bleibt unser Tische bis zu unserem Gehen ungedeckt. Wir genießen das Treiben um uns herum und lassen uns nicht stören.

Meeresrauschen zum Frühstück


Gefasst freuen wir uns über die Rechnung, die doch sanfter ausfällt als erwartet: 12,00€ für zwei kleine Tassen Kaffee. Das hätte schlimmer kommen können…


Wir schlendern noch ein wenig durch den Ort, um die Nostalgie einzuatmen.
Feststellend: in Saint Tropez ist das Essen und Trinken gar nicht so teuer. Die hippen Strandbars rufen höhere Preise auf. Und manchmal darf man im Supermarkt genauer hinschauen. Wir kaufen zwar keinen Alkohol, aber das Foto musste als Beweis her.

Rätselraten im Supermarkt


Und außer, dass vielleicht irgendwann ein Star vorbeischlendert, gibt es hier nichts besonders zu entdecken. Da wir uns selbst als Sternchen wahrnehmen, bleibt unsere Begeisterung für diesen Ort völlig nüchtern.

Kleine Manufaktur in der Stadt, ganz klar geschlossen!

Eine kleine Galerie, neben der wir am Abend zuvor geparkt hatten, braucht noch eine Erwähnung: ich habe selten so wenig ansprechende Kunst gesehen. Da müssen Fotos her: ich nenne es mal Materialschlacht. Wofür Ressourcen verbrauchen, wenn kein Bedarf vorhanden ist und Kunst so schrecklich aussieht? Ich behaupte, dass auch diese Galerie nur noch ein Rest aus vergangenen Zeiten ist. Das beruhigt.
Enkeltauglich ist der pure Kunststoff jedenfalls nicht…

Weiter geht unsere Reise in Richtung Grasse. Erst einmal artig an der Küste entlang. Auch die letzten Kilometer genießen wir die Nähe zum Wasser. Meer: erinnert beständig an Heimat und uns. Die Verbundenheit zur Ostsee ist tief in mir verwurzelt und ist fast der einzige Grund, warum ich Deutschland nie verlassen habe.



Da wir zügig unterwegs sein müssen, sind es die Blicke, die das Meer aufsaugen und immer wieder zu einem: „Guck mal, wie schön!“ oder „Soll ich hier anhalten? und vielen weiteren Emotionen ausufern.

Grasse gehört zu meinen besonderen Wünschen auf den letzten Kilometern.
Die stille Hoffnung, auch am Sonntag einiges an Düften erleben zu dürfen, ist ganz groß. Aber wir erreichen die Stadt etwas spät und erlaufen uns die Altstadt im Dunkeln. Einen Kommentar muss ich an dieser Stelle einfach unterlassen. Nur spüren wir schnell, warum genau hier die Drehkulisse für den weltberühmten Film ‚Das Parfüm‘ ersonnen wurde. Es scheint, als ob nicht nur die Zeit stehen geblieben wäre, sondern eine ganze Stadt zurück ins Mittelalter gebeamt. Anders ausgedrückt: ein längst vergessener Ort. Und trotzalledem durch sein Parfüm und seine Geschichte über die Grenzen bekannt und berühmt.
Ähnliches erlebt man, wenn man die Loire entlang fährt: ein Märchen, in das man eintaucht. Eine Reise ohne Sinn. Überall möchte man anhalten, um hinter die Fassaden zu schauen. Hinter denen es außer gelebten Zeiten kaum etwas zu entdecken gibt. Wer soll es jemals schaffen, diesen Sanierungsstau aufzuholen? Ein wenig Ostalgie breitet sich in mir aus. Ähnliche Bilder und Erlebnisse haben wir durch pure Ignoranz und Gleichgültigkeit jahrzehntelang im Osten erlebt. Architektur  gehört zu unserer Kultur und hat nur Beständigkeit, wenn man sie zuverlässig pflegt. In Grasse gehört sicher wie an der Loire genau DAS ins heutige Bild. Ich sehe es trotzdem anders und habe wenig Verständnis für diesen Werteverfall.

Wir übernachten vor den Toren der Altstadt und suchen uns für den kommenden Morgen einen Parfümerie-Workshop aus. Ich liebe Düfte und habe eine zu feine Nase für diese Welt. Es wird also richtig spaßig. Ich freue mich riesig auf dieses Erlebnis, dass M. aus dem Netz heraus fischt. Und so stehen wir gegen 10.00 Uhr vor Galimard, einem der noch tätigen Parfümeriemanufakturen der Stadt. Le Studio de Fragrances.

Angekommen



Zwei Stunden habe ich Zeit, um ein eigenes Parfüm zu kreieren. Eine ganze Duftorgel an verschiedensten Duftnoten steht mir zur Verfügung. Außerdem eine Grand Dame, die mir alles auf deutsch-französisch erklärt. Wie hier miteinander experimentiert wird, finde ich bereichernd. Auch M. darf ohne Aufpreis als begleitende Person mit dabei sein. So duften wir uns gemeinsam durch die Vielfalt der heute angesagten Aromen und Odeurs.
Zuerst dürfen wir die Basisnote erschaffen, anschließend die Herznote und zum Schluss mit einem Überangebot an Düften die Kopfnote. Die Grand Dame ist offensichtlich beeindruckt und wir sind es auch. Ich habe mein Ziel zwar nicht erreicht, aber das Ergebnis ist vorzeigbar. Am liebsten würde ich gleich noch drei weitere Experimente ausführen, so einen Spaß bereitet mir das Spiel. Normalerweise ist die Fähigkeit, Düfte zu unterscheiden wohl bei der Herznote schon erschöpft. Ein Experte wird sicher nie in diesem Tempo Ergebnisse erzielen wollen. Mein Duftsinn jedoch ist gerade erst aufgewacht. Gemeinsam freuen wir uns, dass er endlich einmal gefordert wird.

… und nicht zu bremsen.

Eigentlich möchten wir uns nach dem Workshhop die Stadt bei Tage anschauen. Doch herrscht draußen ein unangenehm böiger Wind und zum Teil schon Sturm. Es ist richtig warm geworden hier oben in den Bergen. Wir wissen inzwischen: das ist der Mistral. Den haben wir einmal genossen, ein zweites Mal liegt es uns fern, teilhaben zu dürfen. Wir entscheiden uns, für eine endgültige Route in die Heimat und wählen als nächstes Ziel Monaco. Doch vorher geht es nach Antibes, ein schöner Ort, um Urlaub zu machen. Und bekannt für die attraktive Altstadt. Im Sommer sicher vom Tourismus geprägt, jetzt Anfang Februar ruhig und sehr beschaulich.
Wir schlendern durch die Straßen, immer noch den aufbrausenden Wind im Rücken.

ohne Worte
Bauen, wo für Laien kein Bauen mehr machbar scheint.

M. warnt mich eindringlich vor Monaco. Ich habe jedoch weder Vorstellung noch Anspruch. Dass mich Reichtum kaum beeindruckt, habe ich schon erwähnt. Was soll mich also erwarten? Die Einreise in den Stadtstaat ist unspektakulär witzig: Tunnel auf, Autos rein, angekommen. Und jetzt? Völlig überrumpelt suchen wir nach einem Weg. Die Stadt erinnert mich an Gibraltar. Auch hier findet man wenig Anhaltspunkte, diesen Ort schön finden zu können. Aus erdrückendem Platzmangel wird in die Höhe gebaut. Ich kann mir den Kommentar nicht verkneifen: was hier technisch geleistet wird, muss in den Architekturlehrbüchern erscheinen. Die ganze Côte d’Azur entlang stehen riesige Baukräne an Hängen, wo man kaum Bautätigkeiten vermuten würde. Beeindruckend.

Autos für Jungs in allen Facetten

Auch das Straßensystem ist kaum nachvollziehbar, weil technisch brillant umgesetzt. Zumindest für mich als Laiin (= weibliche Form von Laie).
In Monaco reiten wir ein als die Sonne das Meer berührt und vom Meer verschlungen wird. Wenig später ist es dunkel. Der Mistral hat uns verfolgt. Wir laufen etwas angespannt ein paar Straßen rauf und runter, um letztlich eine Entscheidung zu treffen. Wir werden die Nacht geschützt in der Stadt zu verbringen.
Gegen Mitternacht werden wir aufgefordert, Monaco zu verlassen. Es ist nicht erlaubt, in der Stadt in einem Auto zu übernachten. Die Meinungen der Polizei gehen zwar auseinander, aber wir akzeptieren und ziehen weiter. Ein wenig fühle ich mich gerade wie eine Zigeunerin. Frei in meinen Entscheidungen, aber ungewollt vom System.

Wir bleiben hinterm Zaun. Und immer noch das tosende Meer.

Wir fahren wahrlich nur fünf Minuten weiter und sind wieder in Frankreich. Da wir keine Vorstellung haben, wie stürmisch es werden wird, bleiben wir einfach an der Straße stehen – geschützt von hohen Böschungen und rechtsseitig das brodelnde und peitschende Meer. Gut schlafen geht anders.
Früh am Morgen wird uns klar, was für eine blöde Entscheidung das war. Alles, was machbar ist, fährt in die Stadt: Franzosen und Italiener: mit Autos, LKWs und den üblich lauten Motorrädern. Entnervt dränge ich zur Weiterfahrt. Jedes Auto, dass vorbeirast, hinterlässt einen Sog, den wir im Auto intensiv miterleben. M. stört es kaum. Als Autofreak gehört es zu seinem Leben. Ich ziehe mir genervt die Decke über den Kopf und will hier weg. Schnell. Ganz schnell.

Wir fahren weiter die Via Aurelia, eine schöne Strecke oder anders ausgedrückt ein Traum in blau. Das erste Mal auf unserer Reise machen wir Strecke. In Italien gönnen wir uns eine verdiente Pause und genießen ein letztes Mal das Mittelmeer mit viel Sonne , Cappuccino und einem winzigen Frühstück in einem kleinen Café. Italien erlebe ich zum ersten Mal. Ich empfinde die Menschen hier in ihrer Heimat als etwas herb. Die Bemühungen miteinander zu kommunizieren, war in allen bisherigen Ländern unkompliziert. Doch hier nimmt man es einfach hin, dass wir Ausländer sind. Entweder sprechen wir aus, was wir wollen oder man versteht halt nicht. Das kenne ich von den vielen italienischen Geschäften in Deutschland ganz und gar nicht. Nicht umsonst sind die typisch italienischen Restaurants in Deutschland stets gut besucht. Der Service stimmt, über den Rest kann ich seeehr lange diskutieren. Denn eigentlich haben italienische Restaurants selten Anspruch auf gute und nachhaltig produzierte Lebensmittel. Doch das spielt gerade keine Rolle und so muss ich diese Gedanken vorerst beiseite schieben.

Auf in die Berge
… und auf bald geliebtes Meer!



Wir verlassen die Küsten und fahren Richtung Milano. Ein zweites Mal nutzen wir die Autobahn mit Maut. In Italien ist sie gut bezahlbar. Wir wollen rechtzeitig zur Biofach in Nürnberg sein. Termine. Seufz.
In Milano bemerken wir, dass Humboldt ein Problem hat. M. hat nach kurzem Überlegen eine Idee, was passiert sein könnte und wir suchen uns einen Platz zum Reparieren. Da es schon dunkel ist, nutzen wir den ruhigen Ort zum Übernachten: vor den Toren einer großen Gärtnerei.

Zwischen Kitsch und Wirklichkeit – das heutige Bild einer Gärtnerei


Die Reparatur ist schnell ausgeführt: wer weiß, was er kann, weiß, was er tut… Ich assistiere wie gewohnt und freue mich über genau diese Situation.

Außerdem freue ich mich auf den kommenden Morgen, da er mir ein letztes Mal die Möglichkeit gibt, Schätze zu finden. Zwei Stunden verbringen wir in dem Gartenmarkt, weil er so viele Bereiche bietet. Anders ausgedrückt: hier herrscht gepflegtes Chaos für mich als Fachfrau. Trotzdem komme ich in Kauflaune – ich bin ein echt reduzierter Konsument. Aber am Ende ist das Auto um etliche pflanzliche Produkte reicher. M. unterstützt mich immer fleißig mit Worten und Taten. Seiner Meinung nach bekommen wir alles mit. Und so wird es auch.

Gedanklich pflanze ich schon alles, was ich mir hier geleistet habe, in den Garten. Nur auf unser Orangenbäumchen, was wir unbedingt finden wollten, verzichten wir nun. Die Pflanzen sind einfach zu groß und zu teuer.

Comer See

Nachdem wir alles verladen haben, fahren wir gut gefrühstückt weiter Richtung Comer See. Ich bin gespannt, denn M. schwärmt von diesem Fleckchen Erde.

Ein Ort, zum Wiederkommen.

Unsere Reise wird jetzt weniger an Städten ausgehandelt, sondern am Ziel: Deutschland.
Dafür suchen wir uns eine Route zusammen, die landschaftlich reizvoll sein darf.
Wir fahre über Mailand Richtung Comer See und Richtung Alpen, um wenigstens einmal in diesem Winter im Schnee zu stehen. Alles in allem, eine schöne und intensive Fahrt.
Die Einidrücke durch diesen Teil Italiens: viel Industrie, viel leere Hallen und Grundstücke, ruppiger Verkehr. Und: Winterlandschaft: grau und öde. Das wollten wir doch gar nicht…
In der Landschaft erscheinen so bekannte Bilder: geköpfte Weiden und überall Haselsträucher. Es sieht aus wie zu Hause. Das ist Italien?

Unser Navi erklärt uns manches Mal unterschiedliche Routen. Da uns dieser Umstand oft aus dem Konzept bringt, folgen wir ab jetzt mehr den Verkehrsschildern als dem Navi. Unser Ziel ist Como. Wasser zapfen. Wieder einmal erfolglos. Wieder gechlort.
Und so ziehen wir weiter Richtung Comer See.
Mit schönstem Sonnenschein und tiefblauen Wasser genießen wir die Fahrt. Die Region möchte ich ein zweites Mal erleben. Wir sind uns einig: hier kommen wir wieder hin. Wandern. Und mit Motorrad im Gepäck. Humboldt darf auch bei unserem nächsten Ausflug dabei sein. Einige Kleinigkeiten müssen wir dafür ändern, aber im Großen und Ganzen hat er uns richtig gut getragen – tausende von Kilometern.

Die Eleganz und die Architektur, das Wasser und die Berge: ein Seelenerlebnis.

Die Schweizer Alpen sind ein Traum. Schnee, Wasserfälle, sanfte Hügel, die die Berge begleiten. Schafe und schau mal da: Esel. Kleine Steinhäuser, die durch große Landwirtschaftshallen ersetzt wurden, aber den eigentlich Charme der Kulturlandschaft ausmachen. Schön. Auch hier lohnt es sich ganz offensichtlich, Zeit zu verbringen. Wandern und genießen. Ein anderes Mal und zu einer anderen Zeit… Im gleichen Atemzug haben wir die Schweiz durchquert.

Humboldt im Schnee


Ich nenne es mal Länderhoppening. Fünf Länder an einem Tag. Würzburg schaffen wir auch noch. Nach Mitternacht erreichen wir die Region, um hier zu übernachten und am nächsten Tag Familie zu treffen. Deutschland hat uns wieder. Wir wissen gerade nicht, ob wir das so wollen…

Tilman Riemenschneider in Maidbronn

Via Augusta & Via Aurelia – entlang der Côte d’Azur

Unsere Verabredung  bringt uns in Zeitnot, so dass wir zu schnell durch die La Mancha segeln müssen. In Real Ciudad entdecken wir das noch sehr junge Don Quijote-Museum und machen eine kurze Pause. Dank Google steht uns die Welt offen – viele reale Infos bekommt man durch diese riesige Datenbank. Und wir nutzen sie vielfältig und täglich.

dav

Es ist nur eine kleine Ausstellung, aber als Wünscherfüller schaffe ich kleine Highlights am Wegesrand. Frühstück inklusive. Wir lieben unser nahrhaftes Haferfrühstück. 3 Tüten á 2,5 kg  habe ich für die Reise mitgenommen, die letzte und vierte Tüte musste ich wieder schmollend auspacken. Ich wusste nicht, ob M. den Nackthafer genauso mögen wird wie ich. Witzigerweise fragt er inzwischen jeden Tag, wann es das leckere Frühstück gibt. Meistens wird es gegen Mittag oder später gemeinsam zubereitet.

Was gehört alles dazu: gekeimter Hafer (2 – 3 Tage), Obst der Saison, LaVita (Konzentrat), angekeimte Saaten (nach gusto), Obst, Kerne/ Nüsse, Wasser und auf der Reise Pülverchen, die ich mitgenommen habe. Eine Schüssel am Tag bewirkt ein richtig gutes Bauchgefühl und macht über Stunden satt.

Mandelblüte am Wegesrand

Nach Don Quijote erlaube ich uns trotz Zeitnöten einen Abstecher in ein altes römisches Bad. Eine Fahrt 400 km am Tag ohne interessante Punkte, Orte oder auch Erlebnisse halte ich für gewagt. Wir sind unterwegs, um die Regionen, durch die wir fahren, kennen zu lernen. Die Menschen und besonderen Orte. Das römische Bad hat geschlossen. Eine Eigenart der Spanier,die uns nicht das erste Mal enttäuscht. Historische Orte, die zwar beworben werden, aber zum Teil gar nicht zugänglich sind. Durch EU-Mittel saniert.

Da das Gelände mitten in den Feldern gelegen ist, hoppeln wir die Wege entlang. Auf den Äckern wird wie bei uns mit größenwahnsinnigen Maschinen (auch Kampfmaschinen genannt) gearbeitet. Wo vorher Plantagen standen, ragen uns zerschlissene und immer wieder untergepflügte Plastikschläuche und deren Überreste entgegen. Welcher Bauer zu welcher Zeit hat so schlecht seinen Boden behandelt? Entsetzt mache ich Fotos. Ändern kann ich nichts, nur immer wieder erinnern: an diesem Zustand ändert sich nur etwas, wenn sich unser Kaufverhalten ändert.

Nach einigen Stunden im Auto scheint es M. so sehr unter den Nägeln zu brennen, dass ich in der La Mancha einen Rastplatz suche. Es ist ein originelles Datum und deshalb passt genau dieser Ort. Noch wissen wir nicht, dass wir hier den ganzen Nachmittag und auch die Nacht verbringen werden. Doch es ist eine Oase der Ruhe mit fließendem Wasser und Frühlingsgesängen.



Das zarte Gezwitscher der Vögel, das laute Zirpen von Grillen (aus Erdlöchern) und das geduldige Spiel des Wassers lassen mich an diesem Ort ankommen. M. ist rasant mit Auto beschäftigt und möchte am liebsten alle seine Pläne gleichzeitig umsetzen. Doch das ist nicht Neues.

Unsere Reise geht in Richtung Heimat. Doch vorher haben wir noch so einiges auf unserer Wunschliste. Wir fahren durch Spanien relativ zügig, auch wenn das mit Humboldt kaum geht. Die wundervollen Apfelsinen, die wir auf der Hintour mehr zufällig entdeckt haben, sind eines unserer Anlaufpunkte. Um dort hinzukommen, nehmen wir ein paar Umwege in kauf. Der Mistral hat 10 Tage vorher einiges an Schäden angerichtet. In Portugal haben wir davon nichts mitbekommen. Jetzt, auf den üblichen Verkehrswegen, schon. Wir fahren wie fast immer Bundes- oder Landesstraßen, selten Autobahn.
Und irgendwo erwischt es uns, 10 km vor unserem Ziel. Die Straßen sind gesperrt, weil nicht passierbar. Später sehen wir an der gesamten Küste wie stark Sturm, Regen und Meer miteinander gearbeitet haben. Die Küsten sind starkt ausgespült, Befestigungen weggebrochen, Badeorte wie Geisterorte. Niemand mehr da, dafür Sand, Treibgut und zerstörte Gebäude. Die Natur holt sich zurück, was ihr gehört?

Verlassene Badeorte nach dem Sturm

Spätabends erreichen wir unsere kleine Farm und ernten die saftigen Früchte. Anschließend geht es weiter Richtung Küste. Endlich wieder Meer – Mittelmeer. Es wirkt so friedlich, auch wenn alles drum herum einen anderen Eindruck bietet.

Wir folgen der ehemaligen Via Augusta, die seinerzeit mit knapp 1.500 km die längste römische Straße in Hispania war. Ihren Verlauf und geschichtliche Hintergründe kann man im Internet unter https://de.m.wikipedia.org/wiki/Via_Augusta nachlesen. Eine wichtige Handels- und Verkehrsstraße, die heute noch interessante Zeitzeugen zu bieten hat. Wir wählen die Strecke, die Valencia mit Frankreich verbindet – also fahren gen Osten.

Die Fahrt durch Spanien, erst durch die Extremadura und weiter durch die La Mancha, ist in der Eile  zu flüchtig. Wir nehmen die Regionen als landwirtschaftlich betont wahr. Die größeren Städte sind fast immer Universitätsstätdte. Alte Stadtkerne gibt es kaum, da im letzten Jahrhundert durch Kriege viel zerstört wurde. Die Burgen oder Alcazabars hingegen können wir überall entdecken. Weit über die Berge stehen sie und künden von prächtigen und geschäftigen Zeiten. Die Via Augusta erreichen wir auf Höhe Tarragona.  In Tarragona waren wir zu Weihnachten. Hier gibt es noch einige römische Erinnerungen wie den Triumphbogen, der die einst wichtige Handelsstraße prägte. Überhaupt haben die Römer die Iberische Halbinsel mächtig vereinnahmt. Wir könnten hier wochenlang auf Entdeckungsreise gehen.

Am Ende diesen Tages haben wir unsere Einkaufsliste fast abgearbeitet und finden uns in der schönen Stadt Barcelona wieder. Da wir hier bestens übernachtet haben, fahren wir unbekümmert Richtung Botanischen Garten. Von hier oben sieht die geschäftige und brodelnde Stadt so friedlich aus. Wir genießen mit selbst gemachten Tapas im Kerzenschein die Aussicht. Wie schön, wenn man sich so einem Wirbel bewusst entziehen kann und von außen zuschauen… dabei entwickelt sich der Wunsch, am Morgen noch einmal ins Zentrum einzutauchen.

Am nächsten Morgen…
Barcelona wirkt wider Erwarten sehr entspannt. Keine Menschenmassen, die sich durch die Gassen drängeln. Der Februar scheint der Stadt etwas weniger Touristen zu bescheren. Wir trödeln mal wieder durch Zeit und Raum und lassen uns für wenige Stunden treiben. Da wir seit Lissabon zügig unterwegs waren, tut uns ein Tag Auszeit richtig gut. Wir genießen noch einmal das Flair der Stadt und fahren am Abend weiter Richtung Figures.

Figures ist mein Geschenk an M. Wir lieben es, Kunst und Museen anzuschauen. Figures ist dabei ein Muss. Das weiß M. bis zu seinem Geburtstag nicht. Danach schon. Fast einen ganzen Tag verbringen wir in der Hochburg Dalis. Und sind begeistert vom Theater, den Werken und der Art, wie Dali sich ausdrückt, darstellt, für immer in Erinnerung hält. Weniger bekannte Bilder. Sein eigentliches Schaffen ist das, was uns erwartet. Zum Abschluss genehmigen wir uns in einem kleinen Café der Stadt unseren fast täglichen und vorerst letzten spanischen Kaffee – einmal mit und einmal ohne…

Meisterwerke

Weiter geht es Richtung Via Aurelia. Wir haben noch einige Kilometer auf dem Zettel. Wir müssen in einem Atemzug durch – Marseille steht mit Datum fixiert auf unserer Liste. Das zu erreichen, wird schwierig. Und so hangeln wir uns an der wundervollen Küste mit viel zu schnellem Tempo entlang. Trost dabei: wir kommen wieder. Es ist viel zu schön, um hier einfach schnell durchzurasen. Doch wissen wir auch, dass jedes Erleben Zeit beansprucht. Und die haben wir für diese Reise fast aufgebraucht.


Lissabon

Regentage

Sicher waren wir uns nicht, ob wir uns für die Hauptstadt entscheiden. Ich bin neugierig und setze mich durch. So kurz vor den Toren der Stadt eine Wende zu machen, halte ich für unsinnig. So schnell komme ich nicht wieder in diese Region, denn Flugzeuge möchte ich aus mehreren Gründen kaum bis gar nicht (mehr) nutzen.

Altstadt im toten Winkel

Lissabon ist verregnet. Wir erreichen die Stadt am späten Nachmittag. Das Wetter erwischt uns völlig unvorbereitet. Mit leichter Sommerkleidung sind wir nach kurzer Zeit durchnässt und geben unseren langen Lauf in die Stadt auf der Hälfte der Strecke auf. Humboldt haben wir  mit gutem Gefühl am Hafen geparkt. Vorher schauen wir im alternativen Viertel gleich nebenan  vorbei. Aus Paris kenne ich ein richtig spannendes Projekt mitten in der Stadt. Dort, wo man gute Gespräche führt, Projekte anschauen oder auch vor Ort direkt mithelfen kann. In Lissabon ist die geschaffene Plattform eher für crowdworking und labs gedacht. Befrackte Männer kommen uns entgegen. Naja, wo Männer mit Schlips und Kragen auftauchen, hat vordergründig Geldverdienen Einzug gehalten. Wir verlassen diese Plattform.


Da wir in unseren durchnässten Kleidern nicht den langen Weg unverrichtet zurücklaufen möchten, landen wir kurzum in einem kleinen, aber noblen Bio-Restaurant. Wir fühlen uns richtig gut aufgehoben. Das Essen ist lecker, das Wasser gefiltert, der Wein sehr gut und wir sitzen im Trockenen. Überzeugt können wir diesen Ort empfehlen. Die jungen Köche sind mit Enthusiasmus dabei und es macht Spaß, dass zu erleben.

Weniger ist manchmal mehr!

Auch am nächsten Tag regnet es beständig weiter und wir schauen uns die Stadt mit dem Auto an. Wir versuchen kurz noch zur hippen Markthalle zu gelangen. Doch der chaotischen Verkehrsführung und der Autowalze durch die Stadt geschuldet, bleibt unser Wunsch utopisch. Auf geht’s zu Alfredo ins Hinterland. Der weiß hoffentlich, dass wir kommen.

Sierra Nevada
Den Regen lassen wir hinter uns und begeben uns Richtung Osten. Wir möchten uns eine Farm anschauen, die nachhaltig und ökologisch wirtschaftet. Uwe hat uns den Tipp gegeben. Alfredo hat vergessen, dass wir kommen. Aber er nimmt uns warmherzig unter seine Fittiche und lässt uns an seinem Projekt teilhaben. Wir sind einmal mehr überzeugt, dass Menschen und Projekte seiner Art Unterstützung brauchen.

Herdade von Alfredo


Während wir durch die Sierra Nevada bummeln, philosophiere ich und hänge meinen Gedanken nach… Das Problem unserer heutigen Bewirtschaftung scheint mir nicht die bewusste Nutzung der Landwirtschaft zu sein. Viel mehr habe ich das Gefühl, dass mir als Mensch die Selbstbeherrschung abhanden gekommen ist: mit uns als Mensch und meinen Umfeld. Letztlich dem, was uns umgibt, was uns bettet, nährt und trägt.
Wenn ich diese einzigartige Weite hier erlebe, kann es nicht an Nahrungsmitteln fehlen. Seitdem wir Spanien betreten haben, bin ich fasziniert von den fruchtbaren Böden, egal wo wir uns bisher aufgehalten haben: fette, nährende Erde. Das gleiche erleben wir in Portugal. Der einzig begrenzende Faktor auf diesem Planeten ist der Mensch!

Wo aber Entgleisungen entstehen, weil Geld das Mittel zum Zweck ist, scheint die Landwirtschaft entartet, entwürdigt, benutzt und versklavt. Dabei haben wir und auch die Erde diesen Zustand nicht nötig.

Portugal

Auf der Rückreise durch Spanien wird uns schnell klar, wo die Unterschiede zwischen zwei klimatisch ähnlichen Ländern liegen. Uns gefällt die in Portugal erhaltene kleinbäuerliche Struktur in der Landwirtschaft, die wir größtenteils in den übrigen Ländern der EU lange aufgegeben haben. Meine stille Hoffnung: dass Portugal mit einem blauen Auge davon kommt. Denn die hiesige Waldwirtschaft ist ein Desaster. Die kleinbäuerliche Landbewirtschaftung hingegen die einzige Möglichkeit, einen für alle gangbaren Weg zu gehen. Portugal macht uns Hoffnung, auch wenn das für den Moment dort im Land ganz anders wahrgenommen wird. Soweit ich es einschätzen kann, werden über die EU in den nächsten Jahren marode Straßen gefördert. Trotzdem fahren hier die am besten erhaltenen alten Autos in Masse. Neue Straßen bringen die Menschen in die Städte und erzwingen über kurz zur  lang flächendeckend Landflucht. Vielleicht bleibt Portugal durch die einzigartige und wohltuende Landschaft davon verschont. Wir haben fast jeden Tag Deutsche, Belgier oder andere Neusiedler in den Dörfern getroffen, die sich eine neue Basis im Land aufbauen. Durch den Druck der ursprünglichen Arbeit geflohen und in Portugal eine Heimat gefunden. Sauberes Wasser, saubere Luft, über Jahrtausende gepflegte Böden.

Monokulturen in grün – gespritzt

Sowie wir die Grenze zu Sapnien überschritten haben, sind Monokulturen in größeren und überdimensionierten Ausmaßen die Realität. Wir können nur aufklärend unterwegs sein. Wir können nur darüber sprechen. Gegen Kommerz und Geld ist unserer Stimme scheinbar ohnmächtig. Das glaube ich inzwischen nicht mehr. Denn ins Handeln kann jeder kommen. Oder besser noch: erkennen, das eine Agrarwende die einzige Möglichkeit sein wird, den derzeitigen Luxus weiter zu leben. Damit meine ich nicht den Konsumwahn, sondern eine grundsätzlich nachhaltige Lebensweise.

Plantage wenig gespritzt

Die unendlich weiten Monokulturen, die wir passieren, sind gut gespritzt, verseucht. In Portugal fiel uns als erstes auf, wie grün das Land im Vergleich zu Spanien ist. Inzwischen ist uns bewusst, dass den Portugiesen das Geld fehlt, um die selbe Art von Landbewirtschaftung zu betreiben. Auf der Rückreise entsetzt uns einmal mehr, wie tot  bzw. lebensleer die Plantagen in Spanien erscheinen.

Überproduktion kennt letztlich kein Maß. Die Erde wird verhurrt und missbraucht. Am Ende der Kette stehen riesengroße Müllhalden. Die EU fördert in großem Stil in Portugal wie auch in Spanien Agrarkooperativen, Ölmühlen, Olivenhaine, Fruchtplantagen. Aus welchem Grund auch immer. Wir werden es  hinterfragen, wenn wir ausreichend Datenvolumen zur Verfügung haben.

Typische Plantage mit fehlender Krautschicht durch Herbzidbehandlung

Portugal – hinter den Kulissen

Wir sind auf dem Weg nach Monchique in die Berge und auf der Suche nach heißen Quellen. Unsere Irrfahrt endet mitten auf dem Via-Algarviana, einem Wanderweg quer durch die Algarve. Es ist bereits dunkel und wir stecken im Nirgendwo. Laut Navi sind wir auf guten Wegen Richtung Quelle unterwegs. Doch in natura ist der Weg kaum befahrbar und wir landen direkt vor einem Hof. Einer von vielen, der 2018 vom Feuer stark betroffen war. Die Besitzerin bittet uns, den Weg nicht weiter zu fahren und den Ort zu verlassen. Wir unterhalten uns auf deutschenglisch eine Weile mit ihr und übernachten wenig später unweit der Farm auf einer Wiese. Hier in der bergigen Landschaft herrscht eine grundgute Ruhe. Für uns eine klare Entscheidung, die Gegend zu erkunden. Wir sind gespannt, was uns am Morgen erwartet.

Unser Rastplatz

Mit dem Aufwachen entdecken wir eine einzigartig anmutende Landschaft, die uns sofort in ihren Bann zieht. M. hat schon einen Morgenspaziergang unternommen und kommt begeistert zurück. Gemeinsam tauchen wir in ein Naturerlebnis ein, dass von Menschenhand geprägt wurde. Steine, Wasser und Mauern, Bäume, Grün und Blütenmeer – eingebettet in Kultur und Landschaft. Eine Region, die ein wenig verträumt vor sich hin dämmert.


An vielen Ecken fließt hier klares Wasser, die Wiesen blühen und eine unglaubliche Ruhe lässt uns etwas entrückt die Zeit hier genießen. Nur heiße Quellen finden wir hier nicht. Dafür gutes Wasser und spannende Menschen.

Interessiert schauen wir uns um und sehen betrübt, was hier passiert sein muss. Das Feuer hat überall tiefe Spuren hinterlassen. Bäume und Landschaft, Häuser und Behausungen sind verbrannt. Viele einsame Grundstücke; tote Bäume sowie Bäume, die noch im Kampf mit den lebensbedrohlichen Auswirkungen stehen. Der angebliche Verursacher der Katastrophen, die Eukalyptusbäume, wachsen unbekümmert und rasant weiter. Trifft man anfänglich auf diese Exoten, ist man fasziniert. Zumindest ging es mir ab Frankreich so. Der Geruch der Bäume, das Laub und auch das Holz – ätherische Öle enthaltend, die einfach verlockend und duftintensiv sind. Je tiefer wir jedoch nach Südeuropa kommen, umso mehr wird uns das Desaster bewusst: eine ausgeräumte, monotone Landschaft, die durch den Eukalyptusbaum bestimmt wird. Dabei gibt es hier viele einzigartige Baumarten, die das eigentliche Landschaftsbild bestimmen: Korkeichen, die unterschiedlichen iberischen Eichen, Carobbäume, Esskastanien und die typischen Kiefernarten der Iberischen Halbinsel.

In Portugal wirkt die Dramatik aufgrund der Brände ernst. Die Krautschicht allerdings, die so ganz typisch für den Aufbau einer Pflanzengesellschaft steht, wirkt auf mich vital und gesund. Das beruhigt. Es gibt viele Pflanzen zu entdecken und zu benennen. Am Ende des Tages probieren wir uns durch das ganze Grün durch, um zu entscheiden, was essbar sein könnte und was eher ungeeignet erscheint.

Mehr zufällig treffen wir auf Uwe Heitkamp und verbringen einen ganzen Tag miteinander. Gemeinsam schauen wir uns an, was er und Stefanie in den letzten Jahren geschaffen haben. Dabei ergeben sich unsererseits einige Fragen: zum Land, zu den Bränden vor Ort, zum Leben und Wirken in Portugal…
Die Vehemenz, mit der Uwe unterwegs ist, um einen gangbaren Weg als Mensch zu gehen, können wir nur gut finden und sind begeistert. Ein Thema, was auch mich seit über 30 Jahren begleitet. Nachhaltigkeit kann und darf nur bei mir selbst beginnen.


Uwe hat dazu ein beispielloses Experiment auf die Beine gestellt. Das muss hier unbedingt erwähnt werden: Kyotogame. Beschrieben wird dieses Spiel, bei dem der persönliche Fußabdruck für ein ganzes Jahr gemessen und verglichen wird, in der ECO123. Eine von ihm herausgegebene kritische Zeitschrift, die in drei Sprachen veröffentlicht wird. Es tut uns richtig gut; die Gespräche, die Intensität und der kritische Blick allein geben uns Einsicht in die derzeitige Lage des Umlandes. Noch eins: wir freuen uns, besondere Menschen in einer einsamen Region getroffen zu haben. Monchique ist so einzigartig, weil hier ein besonders mildes Bergklima auf fruchtbaren Boden trifft. Dazu das gute und reichliche Bergwasser und nicht zuletzt die Nähe zum Atlantik, was scheinbar ein subtropisches Klima möglich macht.

Nach den intensiven Gesprächen im Hause der Familie Heitkamp sind wir einmal mehr überzeugt, dass wir neben einer nachhaltigen Landwirtschaft Kooperativen brauchen. Diese scheinen uns eine wichtige Voraussetzung zu sein, um gemeinsame Interessen sinnvoll umzusetzen. Für mich wiederum kommt ein weiterer Gesichtspunkt ins Spiel. Ich möchte Länder bzw. Menschen verbinden. Deshalb sind wir unterwegs. Traditionelles Handwerk weiterleben lassen sowie den Verkauf untereinander und gegenseitig unterstützend. Keinen einseitigen Handel, der genau das Gegenteil verursacht hat, weiterhin zulassen.

Allerdings müssen wir viele Menschen finden, die Gleiches wollen und dafür einen Beitrag leisten. Nur dann können wir aufhalten, was durch die enorme Industrialisierung und den folgenschweren wie grenzenlosen Kommerz der letzten 100 Jahre verursacht wurde.

Deshalb steht Tamera als nächster Ort auf der Zielroute. Tamera, ein Ort der Friedens- und Lebensgemeinschaft mitten in Portugal. Derzeit im Winterschlaf oder besser gesagt im Prozess der auferlegten Ruhe. Trotzdem fahren wir hin und bekommen die Möglichkeit, uns ein wenig umzuschauen. Eindringlich wird uns kurz darauf der Weg aus dem Ort gewiesen. Wir akzeptieren diesen etwas unhöflichen Akt, haben anschließend jedoch mehr Fragen als vor unserer Ankunft. Etwas amüsiert und auch bedrückt verlassen wir Tamera. Nicht zu unrecht haben wir das Gefühl, mit unserem Handeln und Wissen viel weiter zu sein. Nur fehlt es uns schlicht an Selbstdarstellung in dieser Dimension.

Es lohnt sich, über Tamera ein wenig Infos einzuholen: denn neben der freien Lebensgemeinschaft freuen sich die meisten Besucher wohl über die freie Liebe, die hier gelebt wird. Doch das darf jeder selbst für sich herausfinden.

Weiter lassen wir uns Richtung Lissabon treiben. Wir diskutieren intensiv über das Erlebte während der Fahrt. Viel Verkehr gibt es in dieser Region nicht, so dass wir uns sehr entrückt von allem fühlen.

Hauptverkehrsmittel: Pickup

Kurz vor Lissabon, bleiben wir wieder mal an der Küste stehen. Portugal ist so romantisch klein, dass man fast automatisch am Meer landen muss. Dieses Mal stehen wir allerdings vor der Stadt Sines, eine  Stadt, die heftig von Industrie geprägt ist. Wir sind verwundert und überrumpelt.

Unsere App hatte uns einen wildromantischen Schlafplatz versprochen. Der Sonnenuntergang entschädigt und wir bleiben einfach stehen. Nebenbei passiert uns der zweite Wasserschaden. Der Schlauch ist abgerutscht und 10l rinnen unbemerkt ins Freie. Wieder einmal leidet der Fußboden unter diesem Missgeschick. Gottlob ist es hier alles andere als kalt und die Entlüftung funktioniert.

Sines: historische Altstadt und Ölraffinerie liegen dicht beieinander. Der Flughafen ist geschlossen, die Eisenbahn ist nur noch für die ansässige Industrie tätig. Wir sind gespannt, was uns erwartet. Was unaufhörlich arbeitet: das Meer. Unerbittlich nehmen wir auch in dieser Nacht die immense Kraft des Wassers wahr. Ein Kommen und Gehen der tosenden Wellen, die mich immer wieder aus dem Schlaf reißen. Das dumpfe Dröhnen des Atlantiks werde ich wohl noch lange in Erinnerung behalten.
Im Hafen begegnen wir dem geschäftigen Treiben der Fischer. Große Hallen, in denen der Fisch meerfrisch gehandelt wird.
Und oben in der Stadt ein Denkmal für den Sohn Stadt und erfolgreichen Seefahrer: Vasco da Gama. Geschichtsunterricht haben wir in Spanien und Portugal wirklich richtig gut und viel wiederholt.

In der Algarve gestrandet

Ich habe mich bisher wenig mit dem Land Portugal beschäftigt. Kennen lernen wollte ich das Land schon. Zu oft habe ich Bekannten und Freunden gelauscht, die von Portugal mit einem Leuchten in den Augen berichteten. Deshalb war klar – wann und wie auch immer – da möchte ich eines Tages hin. Und jetzt bin ich bzw. sind wir hier.

In Spanien gibt es an jeder Ecke historische Anlagen, Parks und Stadt. In Portugal scheint alles reduziert. Die Städte sind kaum wahrnehmbar, die Dörfer sind langgezogene Einzelgehöfte mit kleinen, bescheidenen Häusern. Wozu brauche ich Haus, wenn das Wetter fast ganzjährig mild ist?
Eine gewisse Landflucht ist hier wie in Spanien zu sehen. Richtig massiv vor allem dort, wo Brandrodungen bzw. Brände zu lebensbedrohlichen Umständen führen. Noch ahnen wir wenig von den Problemen, die sich in Portugal durch finanzielle Belange ungünstig entwickeln. Unsere Reise führt uns von Andalusien direkt in die Algarve.

Einreise ins gelobte Land



Wir brauchen eine Lavanderia. Wäsche waschen. In der Stadt Tavira finden wir alles. Und sogar Salinen. Kurz entschlossen fahren wir direkt zum Salinenbauer und kaufen uns einen 10kg Sack für ganze 2,00€. Mehrere Male fragen wir unschlüssig nach dem Preis. Es bleibt bei der genannten Summe.

Salzgewinnung in der Algarve

Am Abend suchen wir uns einen guten Platz zum Übernachten am Meer – in einer Lagune in der Nähe von Tavira. Wir sind ziemlich viele Camper von überall…


Tarifa ist gar nicht so weit weg und ich nenne es einfach mal das portugiesische Tarifa. M. findet das gar nicht witzig. Ich schon. Eine Sprache so nebenbei zu lernen, braucht Zeit und Geduld. An spanisch habe ich mich gerade erst gewöhnt und nun soll ich portugiesisch hinbekommen?

Gestrandet

Nach einem Tag ziehe ich Bilanz: entweder befinde ich mich im osteuropäischen Sprachraum oder diese Sprache hat einige Ähnlichkeiten. Wir müssen uns beide schleunigst mit der Sprache beschäftigen, was ganz schnell passiert: Wieder einmal stehen wir in einer Werkstatt. In Estepona haben wir vorsichtig angefragt und um Unterstützung gebeten, aber eine Absage bekommen. Nun hält M. es nicht mehr aus, er muss wieder schrauben und basteln. Ich willige ein und wir kommen rein zufällig an einer Officina vorbei. Wir treffen einen älteren Herrn an der offenen Werkstatttür und er lässt sich auf den Deal mit uns ein. Wir benötigen lediglich Federspanner und die hat er da. Nur mit Gesten und unserem netten Google-Übersetzer gelingt es uns, auf die Problematik zu verweisen. Wenig später stehen wir mit dem Bus auf dem Hinterhof. M. liegt schon unter Humboldt und schraubt und wirbelt an Rad, Bremse und Feder herum. Ich assistiere. Das hat mir schon als Kind viel Vergnügen bereitet.


Die Schar der Mitarbeiter, die aus lauter älteren Herren besteht, schaut ab und an amüsiert vorbei und jeder erzählt uns verschmitzt in portugiesisch Geschichten. Wir verstehen – ganz klar – so gut wie nichts. Aber zusammen haben wir unseren Spaß. Nach einigen Stunden ist das Auto wieder zusammengeschraubt. Ohne wirklichen Erfolg: doch ich weiß, dass M. einfach schrauben muss, um seinen inneren Frieden zu machen. Immerhin ist das Dauergeräusch an den Bremsen behoben. Was ein bisschen Rost ausmachen kann. Wir bedanken uns höflich und sind berührt von der liebenswerten Art der Menschen. Jetzt müssen wir erst recht die Sprache wenigstens in einigen Wortfetzen lernen. Das ist es uns wert.

Am Abend stehen wir auf einen der bisher schönsten Plätze: mitten in den Dünen am Meer. Da wir uns in den Markthallen endlich Grünes kaufen konnten, freuen wir uns auf einen lecker fruchtig tomatengrünen Salat.

Der Platz, an dem wir uns sehr wohl fühlen, entwickelt sich zum Spot – ein guter Ort für kommunikatives Miteinander. Bewegende Geschichten, von jungen Menschen, die nach neuen Wegen suchen. Zum Teil auch schon für sich gefunden haben. Abends am Feuer mit den Fischern (auf dem Meer) auf Augenhöhe genießen wir genau das: eins sein in allem.
Das Wetter ist so lala, weil Regen, Wind und Sonne zusammentreffen. Doch da wir einfach nur hier sein können, fühlt sich alles richtig gut an.
Nebenbei besprechen wir die Möglichkeiten unserer Rückreise. Auch wenn ich mich auf daheim sehr freue, bleiben meine Gedanken und Gefühle komplett hier stehen. Wir fühlen uns wie auf einer Insel – rundum. Wir überlegen ernsthaft, wie viel wir von Portugal sehen wollen. Ich ganz viel! M. möchte genau hier bleiben.

Da Kompromisse fürs Leben nichts taugen, gibt es nur eine Lösung: beides zu tun. Dennoch sind wir mit den kleinen Reparaturen nicht fertig. Dazu benötigen wir Werkzeug. So bleibt es dabei, dass wir wieder auf Achse gehen. Still lächelt meine Seele und eine tiefe Zufriedenheit bleibt an Bord.

Das Wetter meint es das erste Mal seit Spanien ernst und es regnet. Das sind wir nicht mehr gewohnt. Wir nutzen den Tag für den Baumarkt! Es will noch so einiges am Auto geschraubt, geändert, gebastelt und verbessert werden. M. ist (wen wundert’s) vom Baumarkt völlig fasziniert. Gegenüber dann noch ein ganzes Einkaufszentrum zum Überleben am Wochenende.

Am Abend ist das Wetter wieder prima. Nur den Spot, den ich herausgesucht habe, gibt es nicht mehr. Wir befinden uns bei unserem Lieblingsthema der Reise: den cavas, cuvas und Höhlen. Dieses Mal sind wir auf Entdeckungstour von Strandhöhlen.
Da es die Wege dorthin offensichtlich nicht mehr gibt, bleiben wir mitten im Nichts stehen und genießen die absolute Ruhe und das Alleinsein miteinander.
Am nächsten Tag sind es nur wenige Kilometer bis nach Benagil. Benagil ist ein kleines portugiesisches Dorf an der Atlantikküste. Einer der beliebten Orte, an denen man die Kliffs entlangwandern und schöne Meeresblicke genießen kann. Wunderschön. Ist unsere Meinung. Wir verbringen einen ganzen Tag am Meer, am Wasser, am Strand und mit Sonne. Das tut so gut.

Einen weiteren Tag genießen wir diese wunderschöne Landschaft, dieses Mal mit breitem Sandstrand, wundervollen Grotten und wechselnden Gezeiten. Die spannende Geschichte riesiger Riffe aus Millionen Jahre alten Zeiten ist überall zu sehen. Staundend stehen wir und schauen uns alles an. Anschließend geht es Richtung Norden weiter. Wir möchten nach Montchique, heiße Quellen in Portugal erkunden. Wir haben uns entschieden, die wenige Zeit, die uns bleibt, einfach kreuz und quer durch das schmale Land zu fahren. Dabei legen wir nur noch wert auf Landschaft, Wasser, Dorfgeschichten und Leute.

Der Atlantik lässt mich über vieles nachdenken. Vor allem aber zeigt er mir eine ungewohnt kraftvolle und geballte Energie, die niemals ruhen wird. Beständig bewegt (sich) das Meer. Ein ewiges Brodeln und Toben. Ein kurzes Ausruhen und weiter geht die Reise millionenfacher Tröpfchen, die sich hier im Atlantik zur einer gewaltigen Kraft vereinen. Wieder einmal wird mir bewusst, dass Wasser die Urkraft der Erde schlechthin ist und wir nur ein Bruchteil des Ganzen sind.

Sevilla

Unsere Reise führt uns nicht zum ersten Mal ins geplant Ungewisse. Ich kündige es vorsichtig so an: „Ich habe eine schöne Route für uns rausgesucht…“.
Damit ist uns beiden klar: es wird kurvig, holprig und eng – mit einzigartigen Momenten in Landschaft und Bild.
Wir fahren wieder einmal durch einen Parc Natural, unsere Eindrücke sind zu intensiv. Eine Landschaft, die wir so nicht erwartet haben. Wir wollten schnell nach Sevilla. Ein Trugschluss. Wir fahren mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30km/h. Intensiv trödelig.

Deshalb macht es uns auch so viel Spaß. Unterwegs halten wir an, weil wir Wasser gefunden haben. Eine alte römische Tränke für Mensch und Tier. Wir füllen wieder Kanister auf.

Ganz nebenbei nehmen wir den Frühling wahr. Seit Wochen blüht es am Wegesrand und verschiedene Frühlingsboten überziehen die Landschaft.

Sevilla erreichen wir einen Tag später und sind wie immer mit der Metropole überfordert. Das erste, was uns erwartet: sind die kleinen Kriminellen, die jedem ein paar Euros aus der Tasche ziehen möchten. Ich gehe in Abwehrhaltung. Auch ohne Platzanweiser wird es ein Leichtes einen geeigneten Parkplatz im Stadtzentrum zu finden.

Sevilla gefällt uns im ersten Anlauf gar nicht. Dabei treffen wir in der Stadtinformation auf eine agile Deutsche, die uns gute Tipps mit auf den Weg gibt. Ich schlage vor, auch hier zwei Tage zu verbringen. Aus unserer Reiseerfahrung mit größeren Städten heraus. Bisher brauchten wir mehr als einen Tag, um uns an die Eigenart einer Stadt zu gewöhnen. So schlendern wir abends gemütlich durch Sevilla und finden es richtig nett. Wir lassen uns von der Laune der Stadt treiben.

Unsere Empfehlungen: die Markthallen, die Innenstadt inklusive Stadtviertel erkunden, die Architektur genießen, vor allem die CAAC, der Park Maria Luisa mit den einzigartigen Gebäuden und wer’s mag Flamenco-Show in den Cultural centre.


Auch das Naturkundemuseum können wir empfehlen. Vor allem, wenn man vom Regen überrascht wird. Fasziniert entdecken wir hier eine Tutanchamun-Ausstellung und sind begeistert von der vor dem Museum aufgebauten Recyclingstation. Ein Teilprojekt des Museums, welches auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz verweist.

Einige kritische Worte liegen mir am Herzen hinsichtlich des Konsumverhaltens unserer Zeit. Die Einkaufstempel habe ich bereits erwähnt. Fatal ist der Zustand unserer Wegwerfgesellschaft. Wir finden in Spanien lediglich auf dem Wochenmarkt regionale Produkte. Mag das an der Jahreszeit liegen. Wir kommen selten in den Genuss von einfachen Märkten. Nach ursprünglichen Produkten müssen wir lange suchen.

Überüberüber…verloren im Dschungel der heutigen Zeit

Biologische Produkte finden wir wiederum fast ausnahmslos im Supermarkt. Angeführt von Aldi und Lidl. Hier werben, wie auch in den anderen Supermärkten, große Plakate für organico. Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass ausgerechnet in diesen Einrichtungen Kampagnen für biologische Produkte laufen. Gefühlt werden die Leute hier zum Umdenken durch die Supermärkte angehalten. Während bei uns die Supermärkte vom Kunden zum Bioprodukt gefunden haben. Das Thema werde ich an anderer Stelle vertiefen, da wir auf der Suche nach guten Produkten sind.

Korkladen

Uns berührt die Landschaft der Iberischen Halbinsel. Wir lieben die ursprünglichen Eichenwälder, zu denen auch die Korkeichenbestände gehören. Insgesamt gibt es hier acht verschiedene Eichenarten. Bei uns im norddeutschen Raum gibt es nur die Stiel- und Traubeneiche.

Betroffen sind wir von der sinnlosen Verarbeitung des Naturkorks. Wir würden uns wünschen, dass die Produkte nachhaltig und ohne Plastik hergestellt und angeboten werden. Vielen Souveniren sieht man die billige Verarbeitung aus Asien an. Dabei hat der heimische Markt eine Menge handwerklicher Fähigkeiten und Produkte zu bieten. Nur durch unser Kaufverhalten haben diese Handwerkstraditionen eine Zukunft.

Geschälte Korkeichen
Niebla

Von Sevilla geht’s weiter Richtung Niebla. Irgendwo müssen wir übernachten. Wir entscheiden uns für diese Stadt. Niebla wirkt, wie viele spanische Kleinstädte in Andalusien, etwas verlassen. Die historische Stadtmauer mit ihren Stadttoren und vielen Türmen ist gut erhalten. Das schauen wir uns gern an.

Der eigentliche Höhepunkt am Morgen führt uns zurück in die Steinzeit. Wieder einmal lenke ich unsere Route in diese Vergangenheit. Die Spanier haben ihre steinzeitlichen Grabanlagen richtig gut restauriert und historisch aufgearbeitet. Die Objekte sind bewacht, gut zu finden, manchmal auch mitten im Acker, aber fast immer gut dokumentiert und ausgeschildert.

Dolmen von Soto
Steinritzungen
Eingang Hügel

Kurz vor Huelva entdecken wir freudig einen Flohmarkt. Enthusiastisch erstürmen wir ein Terrain, das uns mehr abstößt als anlockt. Wir laufen zwischen Müll und Trödel rauf und runter. Und kaufen letztlich bei den wenigen authentischen Bauern Obst und Gemüse für die nächsten Tage. Die Oliven, die wir entdecken, sind köstlich.

Endlich Huelva. Eine Stadt, die wohl ins Abseits gerutscht ist. Schade, denn an sich hat sie eine traumhafte Lage und bewegte Geschichte. Schließlich liegt ihr das Meer zu Füßen. Wir tanken ein letztes Mal in Spanien, da jenseits der Grenze die Preise höher liegen. Die Überfahrt über die Brücke ist beeindruckend. Zwei Urgewalten, die ineinander fließen, an der Grenze stets gegeneinander kämpfend. Auch die Farben, die das Watt hier anzubieten hat, sind differenziert, verhalten, erdig. Der Fluss schlängelt sich mäandrierend hindurch – immer dem Druck und Sog folgend.

Und dann endlich: Portugal.

Gibraltar

Wir sind mit Familie Giri für Gibraltar verabredet. Für M. bedeutsam, denn eigentlich möchte er immer noch nach Marokko. Doch ohne Pass keine Chance. Da Gibraltar zwar britisch, aber kein anerkannter europäischer Staat ist, könnte es auch hier schwierig werden, meint Giri. Doch die Kontrolle ist unkompliziert. So steht  es auch überall geschrieben.

Unsere Autos lassen wir entspannt auf einem Großraumparkplatz vor den Toren Gibraltars stehen. Selten parkt man in Spanien so einfach, wenn man ein gemeinsames Ziel hat, dass viele Menschen anfahren. Aber heute ist Sonntag und alles entspannt. Schließlich sind die Briten genauso wie wir Deutschen am Sonntag in christlich ausgeprägter Ruhe.


Gibraltar erläuft man über ein Rollfeld. Rollfeld… Flugplatz, Militär. Alles beieinander und wir mittendurch. Das ist schon witzig und auch ein wenig komisch. Kampfflieger, kleine Flugzeuge, Polizei und große Rollbahn. Naja, die Rollbahn sieht aus wie ein privater Landeplatz. Ökonomisch gesehen, ist das perfekt gelöst. Grenzkontrolle, Flugplatz und Zoll – alles miteinander verbunden. In der Woche pressen sich hier 14.000 Menschen durch. Arbeiten auf Gibraltar.

Die Stadt wirkt unterkühlt und gedrängt. Da der Platz zum Wohnen und Arbeiten begrenzt ist, baut man auch hier in die Höhe. Alte Gebäude in schönem rustikalem, britischem Stil neben langweiligen Hochhäusern. Am Hafen alte Yachten und Segler. Aber Restaurants und Cafés auch hier wie auf einer Perlenkette gereiht.
Wir wandern nach zünftigen Cider und Guiness Richtung Soldatenfriedhof – ein beschaulich ruhiger und schöner Ort. Hier wollen wir Affen treffen. Die haben sich bei den Temperaturen in die Berge zurück gezogen. Lord Nelson ist hier gut aufgehoben.

Nach typisch britischem Mahl – Fish and Chips – genießen wir noch kurz den Sonnenuntergang und finden uns bald in dem weniger attraktiven Ort La Linea de Concepcion wieder. Da wir dringend Wasser benötigen, fahren und erlaufen wir im Dunkeln diesen Ort. Alle Wasserspender wurden abgestellt. Wie schade. Wir machen uns auf den Weg nach Tarifa. Einem Impuls folgend wählen wir kurzerhand den Strand hinter Algericas. Wir sind müde und möchten die Fahrt nach Tarifa bewusst erleben – mit Sonne und Meer. Die Entscheidung war genau richtig. Denn wie zufällig landen wir mal wieder auf einem Camperplatz im Nirgendwo. Ein Kommen und Gehen die ganze Nacht. Offensichtlich ein Geheimtipp für alle Marokkoreisenden. Wir lassen uns Geschichten auf deutsch oder englisch erzählen. Und wissen: nächstes Mal fahren wir auch rüber. Die meisten, die Richtung Marokko unterwegs sind, sind Aussteiger oder junge Familien. Der Rest sind Ehepaare, die schon die Rente genießen und das halbe Jahr in den südlichen Gefilden unterwegs sind. Oder auch Ehepaare, die einfach ihren gesamten Jahresurlaub zusammen packen und dann die Chance nutzen, ein paar Tage und Wochen länger unterwegs sein zu können.
Ich kann für mich feststellen: eine lange Reise gehört zu meinen Vorzügen. Deshalb habe ich sie mir über Jahre aufgespart. Für eine Woche wegzufahren, bereitet mir in der Übertragung des Hofes einfach zu viel Umstände. Aber die Wintermonate sind perfekt für einen Ausstieg über kurz oder lang.

Typischer Spot für kurze Übernachtung

Die Energie auf diesem Parkplatz berührt mich. Ist es der Ort, der so viele verschiedene Menschen vereint und ihre positive Energie ausstrahlt? Ein dreckiger Platz durchs Campen und trotzdem ein Platz, wo wir uns wohl fühlen. Das Meer gleich gegenüber.
In der Nacht blinken die vielen großen Frachter und manchmal hupen sie wie eine uralte Tröte, die sich die letzten dumpfen Töne aus dem Leib presst. Ist das schön.

Am nächsten Morgen hat M. eine geniale Idee: wir fahren von Beginn unserer Reise zwei lustige Solarduschen spazieren. Bisher vergessen und ohne Benutzung. Nun endlich kommen sie ans Licht. Am meisten freut sich M. Ich dusche unglaublich gern erfrischend kalt am oder im Meer. Für M. ist das ein no go. Und nun endlich hat er die Lösung: seine heißgeliebten nie benutzten Duschbags. So schaffen wir uns auf unserer Reise zusätzlich kleine Freuden und Überraschungen. Vor allem aber wissen wir, wofür wir manche Dinge mitgenommen haben. Diesen Luxus haben wir nicht nur vermisst, wir haben ihn verdrängt.

Wir haben eine Dusche

Tarifa
Endlich! Die Straße von Gibraltar bei strahlend blauen Himmel, wölkchenblau und Sonne.
Am berühmten Mirador auf dem Weg nach Tarifa halten natürlich auch wir an. Diesen einzigartigen Ausblick lassen wir uns nicht nehmen. Afrika zum Greifen nahe, eine einzigartige Aussicht mit imposanter Landschaft. Der Mirador ist eine Goldgrube für den Betreiber. Wissentlich hat er unendlich viele Kaffeetassen vorbereitet. Jeder, der hier ankommt, greift gern zu.
Wir merken erst jetzt den kräftigen Wind, der uns umschmeichelt. Nachdem wir uns viel Freude an diesem Platz gegönnt haben, fahren wir weiter zum südlichsten Punkt Europas, auch southernmost point of the continent genannt.


Tarifa ist aufgrund der guten Winde ganzjähriges Surferparadies. Und so empfängt uns der Strand auch: links zum Mittelmeer sitzen an eine weiße Wand gedrückt die sonnenhungrigen Sonnenbader. Rechts surfen und kiten die jungen Wilden um die Wette. Völlig im Rausch von Zeit und Raum gleiten sie durch das Meer. Ein buntes Treiben im tiefblauen Meer mit meterhohen Wellen. Zwischendrin laufen wir mit vielen anderen Touris neugierig Richtung Halbinsel. Die ist mit einem Tor verriegelt. Also genießen wir in vollen Zügen, dass wir uns einfach nur zwischen den Welten bewegen dürfen. Das Meer letztlich interessiert es wenig, ob es nun Mittelmeer oder Atlantik genannt wird. Es ist einfach da in ganzer Pracht, Naturgewalt und Fülle.

Tarifa schauen wir uns gern an, aber viel zu neugierig und gespannt auf Neues, fahren wir weiter die Küste entlang. Immer noch der Wunsch: Portugal!!!

Wir hinterfragen täglich die Ankunft unseres Briefes. Leider erfolglos. Eine Entscheidung muss her. Inzwischen sind wir zwei Wochen in Verzug. Nebenbei treibe ich uns weiter nördlich die Atlantikküste entlang. Vielleicht verzichten wir einfach auf ein letztes Mal Estepona.

Bolonia ist auf jeden Fall einen Abstecher wert an der Atlantikküste. Die Stadt liegt an einem wundervollen Strand mit imposanter Wanderdüne. Angrenzend sind wunderschöne Kiefernwälder, die zum Teil in bzw. durch die Dünen verschwinden. Wenn der Wind sie wieder frei legt, bleiben nur noch ihre Skelette zurück. Etwas mulmig ist der Anblick, der an einen Baumfriedhof erinnert.

Was uns weniger gut gefällt, ist der Plastikmüll hier am Strand. So legen wir Hand an und sammeln ein.


Baelo Claudia, einst eine römischen Stadt, direkt am Strand gelegen, schauen wir uns gern an. Interessant, denn die Römer nutzten seinerzeit die Nähe zum Atlantik für intensive Fischzucht. Überhaupt ist Andalusien von althergebrachten Aquädukten geprägt. Es scheint sich wenig geändert zu haben. Nur verwenden die Südländer heute leider Unmengen an Plastikschläuchen, die mit den zum Teil alten Wasserstraßen einfach verbunden werden.
Auch Los Caños de Meca statten wir einen erwähnenswerten Besuch ab.
Als Höhepunkt schlendern wir mehr zufällig als bewusst am Kap Trafalgar herum. Irgendwie erinnert man sich an die Schlacht von Trafalgar durch den Geschichtsunterricht. Zum Auffrischen: 1805 gelang es Admiral Nelson die spanisch-französische Flotte zu besiegen. Lord Nelson haben wir zuvor in Gibraltar auf dem Friedhof besucht. Dachten wir zumindest. Er hat bei der legendären Schlacht am Kap sein Leben verloren. Doch begraben ist er in London.

Wir genießen am Kap einen traumhaften Sonnenuntergang mit meterhohen Wellen. Der Weg dorthin ist witzig, weil sich hier so einige junggebliebene Hippies aufhalten.

Da M. unbedingt in die Werkstatt in Estepona muss, der Brief endlich in der Stadt angekommen zu sein scheint, lasse ich mich auf eine Rückfahrt ein. Immerhin bekomme ich allmählich heimatliche Gefühle, wenn wir zum vierten Mal in diese Stadt einreisen. Vorerst ein letztes Mal.

Die Werkstatt hat für unser Anliegen wenig Verständnis, so stehen wir später an unserem Lieblingsplatz in Estepona und werkeln am Auto: die Achse wird neu vermessen und händisch eingestellt. Ich assistiere.

Maßband und Schraubenschlüssel sind mehr wert als jede Technik. Spur und Sturz wurden im vor der Fahrt im leeren Zustand des Autos vermessen. Vollbeladen ändern sich die Einstellungen.
Tage später basteln wir ein Lot aus Bindfaden und Nuss, um auch den Sturz neu zu justieren.

Wir entdecken Andalusien

Casares wirkt entspannt, verschlafen, sehr hübsch, bergig. Wenigen Mitstreiter begegnen wir, die wie wir unterwegs sind und überall herum streunen. Wir kommen durch unseren Abstecher allerdings auch erst am späten Nachmittag an. Zudem ist es in den Bergregionen nachts kühl bis leicht frostig. Der typische Spanienurlauber ist wegen der Wärme hier. Wir amüsieren uns nicht das erste Mal darüber, wie sich die Einheimischen in dicke, flauschige Jacken und wattierte Schuhe einhüllen. Die Mode des Winters hat überall ihren Einfluss und hält das kommerzielle Rad am Laufen.

Da man in fast jedem Ort maurische Wurzeln entdecken kann, wandern wir hoch auf die alte Burg. Wunderschöne Ausblicke in die noch viel reizvollere Landschaft Andalusiens. Wir fühlen uns hier ganz schön wohl.

Römisches Bad auf dem Weg nach Casares
Mandelblüte Anfang Januar

Nebenbei versuchen wir immer ein wenig spanisch in unseren Alltag zu integrieren. Das ist witzig, weil es Spaß macht, den Klang, die Aussprache und auch die Bedeutung einer Sprache etwas einzuatmen. In Portugal wird es das gleiche Spiel. Kaum haben wir ein paar wenige Wörter gelernt, dreht sich die Sprache ins andere Land. La quenta… a conta… oder die Rechnung… por favor.

Malaga
Malaga haben wir seit Tagen auf dem Kompass, aber mein innerer Kompass bevorzugt Ronda, Teba und Antequera. Die Route, die wir fahren, ist wie fast immer in Andalusien, einfach nur schön. Wir lassen uns Zeit und genießen die Landschaft.

Auf historischen Wegen in Antequera


Malaga. Die Metropole Andalusiens. Und Picasso mittendrin.
Wir erreichen die Stadt am späten Abend völlig ausgehungert, weil vor lauter schöner Landschaft gefahren und gestaunt, frisches Wasser am Wegesrand geerntet/ gezapft, getrunken, Haare gewaschen: und wir die Zeit wieder einmal vertrödelt haben. Die Viehtränke aus alten Zeiten dient uns als erfrischender Wasserspender unterwegs und wir füllen erneut unsere Flaschen mit Bergwasser auf.

Teba und Ronda


Am Stadtrand von Malaga machen wir halt und freuen uns riesig auf eine große Schüssel mit Salat und allem, was unser Speisekorb hergibt. In Antequerra haben wir für knapp drei Euro eine ganze Tüte voller Gemüse eingekauft: fette Tomaten, pieksige Landgurken, kanarische Bananen, Pilze und Salat. Da unser Essen überwiegend aus frischen Produkten besteht, bereiten wir es stets gemeinsam zu. Ab und an schaffen wir nur eine Mahlzeit. Dann sind wir hungrig. Lustvoll verschlingen wir, was wir an Gerichten erfinden. Meine Bordküche ist richtig gut ausgestattet: Gewürze, Salze, Süße in verschiedenen Varianten (außer Zucker), Pulver und Körner. Nicht zuletzt gute Öle und Fette. Alles klein dosiert und zum Verbrauchen mitgenommen.



Mehr als eine Stunde sind wir unterwegs, um einen Parkplatz in der Nähe von Picasso zu finden. Manchmal bin ich zu weltfremd, um zu verstehen, dass wir in der Innenstadt gelandet sind. Parkplätze sind hier Mangelware und mit dem Bulli erst recht. Parkhäuser kommen für uns nicht in Frage. Das Auto ist zu hoch.
Etwas entnervt landen wir wie fast immer in Hafenstädten genau dort: am Hafen. Hier haben wir bisher immer einen sicheren Platz gefunden. Und auch dieses Mal ist es kein Problem. Auch die Nacht hätten wir hier gut verbringen können, wäre da nicht der Hunger gewesen.

Der Hafen ist überschaubar, modern und mit einigen wenigen Millionen belastet. Momentan steht hier die Octopus für 295.000 Millionen Euro zum Verkauf. Da wir mit unserem Bulli völlig zufrieden sind, schauen wir uns dieses Schiff nur neugierig an. Der Besitzer, Paul Allen (Freund von Bill Gates), ist im Oktober 2018 verstorben.
Wir bummeln die Kaimauern entlang und entdecken einen altes spanisches Schiff aus Zeiten der Armada. Ein Nachbau wie die Wissemara in der Heimat.
Die ganze Kaimauer entlang bis hin zum Leuchtturm ist eine neue Einkaufsmeile entstanden. Bis weit in den Abend sind die Geschäfte offen, Bars, Buden und Service. Alles, was der moderne Mensch zum Leben braucht. Wir schlendern vorbei, da wir nicht allzu modern sind. Wenig später ziehe ich M. am Ärmel, weil er dem Eis kaum widerstehen kann. Da das Eisvergnügen in Spanien richtig teuer ist, kommt dieser Luxus nicht in die Tüte.

Picasso macht uns ganz viel Freude und da wir auch die zweite Ausstellung vor Ort gebucht haben, können wir den bis dato mir unbekannten Calder kennen lernen. Das gefällt uns richtig gut. Picassos Schaffen beeindruckt und die Kombination dieser beiden Künstler noch viel mehr.

Wir lassen uns den ganzen Tag dafür Zeit und genießen intensiv diese einmalige Kunst.

Installation von Calder


Picassos fröhliche Lebensart steckt förmlich an. Mit seiner Neugier konnte er die Welt erobern. Neugier macht hungrig – im übertragenen Sinne. Neugier macht wiederum Menschen interessant und bringt eine Menge Abwechslung ins Dasein.

Picasso in Aktion


Was mir Picasso an diesem Tag mitgibt, ist eine schöne Erkenntnis: nur wenn ich von meiner Arbeit überzeugt bin, überzeuge ich durch das, was ich tue.
Auch Alltag darf richtig Spaß bringen, so dass man jeden Tag genießen kann. Alles in allem bleibt es dabei, Leben lebens- und liebenswert zu gestalten. Und das täglich mit ganzer Kraft und Überzeugung.

Abends lassen wir uns vom Flair der Stadt treiben und kehren in eines der Lokale ein. Eine gute Entscheidung.


Wenn man in Malaga ist und botanische Gärten mag, darf der Historische Garten „Jardín Botánico-Historicó la Conceptión“  nicht fehlen. Wir genießen diese Anlage so sehr, dass wir am nächsten Tag viele Stunden hier verbringen. Eine wunderschöne, eigenwillige und historische Anlage aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, die wir in der Intensität nicht erwartet haben. Die Sammlung enthält 2000 Arten tropischer, subtropischer und heimischer Pflanzen mit guter Ausschilderung. Auffallend ist die große Varietät an Palmen und Bambus. Das macht Spaß und mein Hirn darf ein wenig arbeiten. Pflanzenkunde ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.
Die notwendige Pflege und auch die Fürsorge für dieses Paradies schafft die Stadt, die inzwischen Eigentümerin des Areals ist, leider kaum aufzubringen. Eine Pflanzensammlung in diesem Ausmaß kann man nur unterstützen. Hoffentlich findet sich bald wieder ein echter Liebhaber für dieses einzigartige Refugium.


Marbella
Die Stadt der Schönen und Reichen liest man. Wir suchen uns kurz vor Marbella am Bikkini Beach einen guten Stehplatz – seit Tagen wieder allein am Wasser. Das verspricht ein erfrischendes Bad am Morgen. Weit gefehlt, zum ersten Mal erleben wir etwas amüsiert das Unbehagen der Barfrau am Strand. Sie schimpft auf Spanisch vor sich hin. Obwohl wir kneipen in ihrer Restauration, wirkt sie wie die gute alte Dame aus den bekannten James-Bond-Filmen: ernst und abweisend.

Wir fahren zum Hafen in Marbella. Ferrari, Rolls Royce, Maserati, Lamborghini sind hier an der Tagesordnung. Es macht uns Spaß mittendrin zu sein. Denn aus meiner Arbeit heraus weiß ich, dass hier nicht die wirklich Reichen und Schönen flanieren, aber immerhin diejenigen, die sich einen erheblichen Reichtum erschaffen oder ererbt haben.
Um unbedingt dazu zu gehören, steht man auch stundenlang vor Insidernlokalen an. Gesehen werden, ist ein Muss. Wir bummeln fröhlich an den bunten Menschenschlangen vorbei. Der Hafen hat einiges zu bieten.
 
Wie auch in der Autobranche gibt es etliche Yachten zu kaufen. Wer soll diese ganzen Plastikbomber (GFK) später mal entsorgen? Mich gruselt der Anblick. Ein richtig schöner alter Schinken steht zwischen all den modernen Schiffen. M. erklärt mir nebenbei die Boote, die Jetskis und all das, was mir in meiner Welt verborgen bleibt. Ich nicke wissentlich und freue mich, es bald wieder vergessen zu dürfen. Das Meer selbst und auch die Atmosphäre sind ein Traum. Blaues Wasser, große Fische, pulsierendes Leben.

Die Spanier sind noch richtig in Kinderlaune, so dass hier auch viele junge Familien spazieren gehen. Fasziniert bin ich immer wieder von den sehr aufmerksam wirkenden Vätern, die sich vordergründig um ihren Nachwuchs kümmern. Kinder haben in Spanien genießen einen völlig anderen Stellenwert. Mit einem Seufzen freue ich mich für die spanischen Frauen. Wie gut täte es uns, weniger emanzipiert zu nennen, was mit Emanzipation wenig zu tun hat. Frauen und Kinder sind eine großartige Sache, aber das Zusammenspiel von Vater – Mutter – Kind ist kaum zu toppen.

Estepona hat uns ein letztes Mal in dieser Runde wieder. Wir freuen uns auf Giri und seine agile Familie. Aber der lang ersehnte Brief fehlt. Ein Einschreiben ist demzufolge mehr als 10 Tage unterwegs. Das missfällt uns. Auch über ein zweites Paket in die Heimat denken wir inzwischen nicht mehr nach.

Silvester in Estepona

Wir fahren immer weiter in die Berge und letztlich entscheiden wir uns für den Weg durch die Sierra Nevada. Nebenbei ist uns durch unsere Abstecher in die Landschaft, die Welle vom Zahnrädchen rausgerutscht. Notwendig für einen Kilometerstand. Sicherheitshalber tanken wir und stellen fest, dass es eine gute Entscheidung war.
Während in Valencia die Tankstellen miteinander Monopoly spielen können, weil sie so dicht aneinander liegen, gibt es in Andalusien kaum Angebote. Durch die Weite der Landschaft, wenig Besiedlung und kaum erschlossene Orte fahren wir mit einem anderen Bewusstsein. Weggeknabberte Berge scheinen hier richtig zum Sport zu gehören. Egal, wo ein Berg im Weg steht, der Bagger schafft ihn. So schlängeln sich die Straßen durch die Berge, nicht um sie herum. Für den Anbau von Tomaten werden ganze Plateaus geschaffen. Und nebenbei wird der Abraum für gutes Geld an den Baustoffhandel verkauft.


Das man noch in den Höhlen der Berge leben kann, habe ich schon in Israel erlebt. Hier in der Sierra Nevada liegt es voll im Trend. Am besten noch ein selbst gebasteltes Satteldach als Mütze obendrauf. Fertig ist das Heim. Das inspiriert uns.

Ich liebe diese ursprüngliche Art zu leben: hier sieht es zwar für die heutige Zivilisation arm aus, aber wie reicht ist ein Mensch, der mit den wenigen Dingen des Lebens ein gutes Dasein führen kann: unabhängig von Zeit und Raum.

Sehnsüchtig schaue ich jeden Berg, die eingemeißelten Behausungen und Hütten an. Und endlich auch Maulesel. Das Lasttier, was mir in Albanien als wichtigstes Transportmittel in den Bergen begegnete.

Sierra Nevada



Mit Hilfe der Sonne ist hier fast alles möglich: der Anbau von Tomaten und Oliven, Gemüse im privaten Bereich, Pfirsiche, sogar Pappeln … die Mauren haben hier ganze Arbeit geleistet. Bis heute hat sich die Art des Bauens und der Kultivierung erhalten und kaum verändert.

Olivenplantagen


Wer weiß wie viele Höhlen hier noch entdeckt werden wollen. Aber noch viel interessanter finde ich, eine Bergwanderung in dieser Region zu unternehmen.
Das heben wir uns für später auf. Heute stehen Granada und Silvester an. Wir sputen uns, in die Spur zu kommen.
Granada gefällt uns, aber es ziehen auch hier Touristenströme. In Granada Richtung Alhambra. Diese steht denjenigen offen, die online gebucht haben. Dazu gehören wir nicht.

Playa del Christo


Silvester bleiben wir für ein paar Tage in Estepona. Wir stehen am großzügigen Strand am Ende der Stadt. Hier verirren sich viele Camper unterschiedlichster Nationen. Die Stadt ist touristisch wenig attraktiv, aber vom Klima, dem Miteinander und dem Standort fast perfekt. Vor allem Rentner mit ihren großen Wohnmobilen stehen hier, um einen ganzen Winter Wärme zu tanken.


Das Hinterland von Estepona wiederum hat so viel zu bieten, dass wir mehr als einen Monat hier verbringen könnten. Doch unser nächstes Ziel ist Portugal. Ich freue mich riesig auf dieses Land. Seit Jahren wünsche ich mir, Begegnungen und Strände. Handwerk und Ursprünglichkeit. Und alles, was dieses Land noch zu bieten hat.

Estepona


Portugal rückt ein bisschen nach hinten, weil wir auf einen Brief aus Deutschland warten. Da wir gut aufgehoben sind in Estepona, fällt es uns gar nicht schwer. Giri und seine Familie zeigen uns ein bisschen spanisches Miteinander, was wir durchweg genießen.
Da zu Hause ein Geburtstag ansteht, bringen wir kurz nach Neujahr ein Paket zur Post. Zumindest ist das der Plan. Einen halben Tag verbringen wir damit, einen geeigneten Versender zu finden. Trotz Giri und seinen Fähigkeiten wird es ein kleines Abenteuer. Nach Deutschland scheinen die Verbindungen mit Südspanien wenig ausgebaut zu sein. Niemand interessiert sich wirklich dafür und fast jeder schüttelt mit dem Kopf. Und schon gar nicht, ein Paket aufgeben ohne fertig ausgefüllten Beleg. Trotz alledem schaffen wir es gemeinsam: vier Tage später soll das 18kg schwere Paket den Zielort erreichen. Dass das nur eine schöne Vorstellung bleibt, wissen wir nach vier Tagen. Zum Geburtstag kommt es gewiss nicht pünktlich an. Genauso wenig wie unser Brief. Er verzögert sich um ganze zwei Wochen. Unsere Weiterfahrt nach Portugal ebenso.

Der Brief aus Deutschland, der ein wichtiges Dokument enthält, bleibt vorerst irgendwo hängen. Da hilft auch keine Sendungsnummer. Die verliert sich an der Grenze zu Deutschland. Herrje. Im Zeitalter des Computers bleibt am Ende doch ein Ach. Zumindest für mich und meine Befindlichkeiten.

Prozession


Silvester in Estepona (und in Spanien wohl generell) sind völlig unspektakulär. Eigentlich nimmt kaum jemand Notiz davon. Die Läden haben ja sowieso fast immer geöffnet und Feuerwerk gibt es hier fast überhaupt nicht. Wie angenehm für Mensch und Tier.


Fünf Tage später gibt es dafür den fröhlichen Vorabend zu den Heiligen-Drei-Königen. Heute wird gefeiert und prozessiert. Menschenmassen sind unterwegs, stehen an den Straßen und warten auf den Umzug. Irgendwann kommen die vielen lustigen Wagen: kein Priester, keine Kirche, kein Bürgermeister… Bart Simpson und Co begrüßen uns fröhlich und verteilen unendlich viele Bonbons. Alle sind glücklich und laufen dem ganzen Tross hinterher. Wir auch. Ganz klar.

Weihnachtsbaum nach unserem Geschmack

Da wir in den letzten Tag viel Zeit haben, schaffen wir es, ein Dachfenster einzubauen. Am Strand liegt ausreichend Holz. Das Fenster haben wir auf dem Weg nach Estepona in einem Campingausrüster erworben.
Seit Frankreich war uns klar, dass wir für die Entlüftung ein Dachfenster einbauen werden. Und das nicht erst in Deutschland. Gemacht, getan. Stichsäge, Akkuschrauber, Holz. Einen Meßschieber hat M. sowieso dabei, den benötigt er nicht nur zum Messen. Auch Fingernägel kann man damit prima sauber bekommen.


Die Montage war kein Problem, das Sägen ist weniger angenehm (GFK), aber nach zwei Stunden war alles fertig. Große Freude bei uns. Einen Waschtag haben wir für den nächsten Tag eingeplant. Viel Wäsche benötigen wir nicht. In den Waschsalons gibt es zudem riesige Maschinen. Das gefällt uns. Ein Abwasch sozusagen.