Ein Stück Frankreich

In Sezanne starten wir etwas zeitverzögert. So eine Reise benötigt viel Raum.

Wir erreichen Bordeaux bei Nacht und werden zu Brückenschläfern. Geparkt wird unkompliziert unter der höchsten Brücke der Stadt bzw. near by. Aber das geht schon in Ordnung. Ohne Licht nach einem passenden Schlafplatz zu suchen, ist stets stressig und unbefriedigend. Am nächsten Tag sieht man all die Möglichkeiten, die verfügbar gewesen wären. Und bei Tag schaut sich die Stadt auch richtig gut an. Es gibt einen schönen öffentlichen Garten, sogar mit einem historischen Botanischen Garten. Ganz nett hier und für uns schon richtig mediterran. Das Stadtviertel, in dem wir hier sind, gefällt uns sehr gut. Die regionalen Märkte finden an anderen Tagen statt. Etwas schade. Aber ein schöner Bioladen liegt hier mittendrin, den nehmen wir gern mit und fahren dann aufgeregt weiter zur größten Wanderdüne Europas. Dazwischen liegt die nette Stadt Arcachon. Die Sonne lacht uns ins Gesicht, tut  das gut. Hej Sonne, wir sind auch da.



Dune de Pilat, die Wanderdüne, ist wirklich sehenswert und ein beeindruckendes Naturschauspiel. Die Menschen pilgern dorthin, wir sind also auf keinen Fall alleine hier. Auf dem Weg hierher fahren wir durch kilometerlange Küstenwälder, die viel Feuer gesehen haben, vermutlich 2022. Die Campingplätze, die darin eingebettet waren, wurden komplett zerstört. Sie liegen wie mahnende Denkorte am Wegesrand. Wie leicht Feuer durch Unvernunft entsteht, wissen wir alle. Inzwischen nehmen Haus- und Waldbrände jährlich zu. Oftmals sind diese willkürlich ausgelöst, zur Verantwortung wird kaum jemanden gebeten, die Ausmaße oftmals sehr dramatisch.


Biarritz – da wollen wir hin? Einen Abstecher wagen wir zumindest, denn Monaco stand ja auch mal auf der Liste. Und ein Hauch elitärer Orte wabert ins Bewusstsein. Anschauen.
Leon und Biarritz – das Monaco des Nordens bzw. des Atlantik, sagt man. Also steuern wir diese Orte an und parken fast im Atlantik. Alles bekommt uns gerade gut – außer Kälte und Regen. Und wir baden ein erstes Mal im Atlantik. Was wir noch nicht wissen, es wird fast das einzige Mal bleiben.

Biarritz war wie viele bekannte Orte früher ein kleines Fischerdörfchen. Im 19. Jahrhundert vom französischen Adel entdeckt und okkupiert. Heute liegt alles dicht beieinander: Moderne, Barock, Altstadt und Kommerz. Die allgegenwärtigen Kirchen dazwischen.

Bekannt ist dieses Kleinod auch durch ein hübsches Felsenriff, auf dem die Statue der Jungfrau Maria thront. Maria genießt hier schon ziemlich lange einen grandiosen Blick auf den Golf von Biskaya. Wir schauen ihr von Weitem zu und genießen eine Kleinigkeit am Strand. Ich denke, es gefällt ihr immer noch sehr gut, zumal täglich hunderte von Menschen ihr einen Gruß erweisen.

Es regnet auch an diesen Tagen, aber es ist mild. Wir erleben das aufreibende Meer mit meterhohen Wellen. Schön hier. Ich möchte schreiben, doch die Fahrt geht weiter – Richtung Bilbao. Die Kunst lockt uns in diese Stadt. Auch Santander steht auf der Liste.

Wir fahren durch eine stark touristisch geprägte Region, Ferienhäuser wie Perlenketten aneinander gereiht. Mal hübsch, mal fein, mondän oder klein. Alles ist dabei. Auf eine Kaffeepause lassen wir uns ein, um die Atmosphäre einzufangen.

30.12. Bilbao nehmen wir als moderne, attraktive und ansehnliche Stadt war. Ein leichter Fön verwöhnt uns. Ich fühle mich wohl. Das Guggenheim-Museum lohnt einen Besuch, es ist überschaubar, die Architektur des Museums spricht eine eigene Sprache. Auch Kinder haben absolut ihre Freude, da die Räume offen, bespielbar und frei erscheinen. Ich sehe keines der vielen Kinder gelangweilt oder überfordert. Das ist besonders. Genauso wie die Ausstellungen im Einzelnen. Außergewöhnlich, modern, ausgewählt, fragwürdig, divers und sehr international. Kurzweilig und nicht überladen. Da mag jemand Kunst und hat ein Gespür dafür. 

Wir erobern uns die belebten Straßen mit den vielen Cafés und Restaurants und dem typisch spanisch quirligen Flair. Einen Tag vor Silvester sind hier alle gut in Trinklaune. An jeder Ecke sitzen und stehen die Leute vor den Cafés mit gut gefüllten Weingläsern oder auch Bier. An jeder Ecke sitzen die Menschen beieinander, sind fröhlich. Trinken. M. möchte dabei sein, auch wenn er keinen Alkohol trinkt, so liebt er doch den spanischen Cortado. Und den gibt es hier auch überall. Ich teste hingegen schon einmal den für gut befundenen Wein. Lecker. Genauso wie das Essen. Die nette Bedienung kümmert sich ganz reizend um ihre Gäste.

Ich möchte gern einen weiteren Tag hier verbringen, doch wir entscheiden uns für’s Weiterfahren. Schade, auch Santander lassen wir aus und gehen nun aufs Volle – weiter Richtung Portugal. Der nächste Ort wird Burgos sein.

Hier in den Bergen ist es sehr schön, in den vielen kleinen Bars der kleinen Orten ein Kommen und Gehen. Es fühlt sich heimatlich an. Das Essen lecker, der Wirt hat sein Schaffen bis in die Nacht, um am Morgen schon wieder fit und geschäftig zu sein. Beeindruckend.

Morgens treffen sogleich die Jäger ein, die hier ihre Fundstücke zu Fleisch und Wurst veredelt anbieten. M. liebt regionale Produkte und kommt lachend fröhlich aus der Bar mit einem frisch gezapften Kaffee und leckeren Errungenschaften. Da wir beide davon überzeugt sind, dass der regionale Markt die Zukunft sein muss, kaufen wir fast ausschließlich regional und soweit möglich ökologisch. Auch wir wünschen uns dieses Kaufverhalten vor Ort in der Heimat. Nur ein Miteinander wird uns helfen, die kommenden Krisen zu meistern. Und in den Bergen gehört es dazu. Hier trifft man sich, tauscht sich aus, unterstützt sich und kauft voneinander. Nur dadurch können die Menschen hier leben. Industrie sucht man in der kargen Region vergebens. Das Wetter bleibt kühl und verhalten, die Impressionen großartig.

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