Kurz mal Spanien

Unsere Reise geht weiter, Burgos – Salamanca – Silvester? Wir fahren durch den Nordwesten Richtung Südwesten/ Region Kastilien und León. Eine schöne Ecke mit sehr viel Geschichte.

Heute ist es in Deutschland wärmer als hier in den Bergen. Der frühe Winter im Dezember wurde durch mildes Winterwetter abgelöst. Ich bin gespannt, wie sich zu Hause alles entwickelt hat. Das viele Grün, was den Frost gut überstanden hat, steht uns dann als frische Kost wieder zur Verfügung oder kommt der Winter noch mit großem Auftritt?. Wir haben so einiges aus dem Garten an Bord in unserer einfachen Kühlkiste. Die grüne Kiste hängt hinten am Auto gut gekühlt vom Fahrtwind. Ein Kühlschrank kommt für mich weder zu Hause noch im Auto in Frage. Ich habe keine Verwendung dafür und auch wenig Verständnis. Meine Vorliebe gilt den einfachen Dingen dieses Lebens. Da passt so ein aberwitziges Kühlsystem überhaupt nicht, nimmt im Bulli wichtigen Platz weg. Schließlich muss man auf 4m² so einiges bewerkstelligen. Was mir an Bord ganz wichtig ist, ist meine Teeküche und das kleine PortaPotti. Beides ist gut nachhaltig händelbar. Ein wenig suchen muss man schon, um Entsorgungsstationen zu finden. Aber der Weg ist das Ziel und dadurch alles wenig planbar.

Über den Pass zu fahren, enthüllt sich als traumhaft. Was für Bilder, wie viel Natur. Auch Wasser finden wir hier oben. Das nehmen wir: 60l hochwertiges Wasser im Tank. Freude und Dankbarkeit. Mitten im Ort, wo so viel Abwanderung stattfindet. Hier, wo die Grundbedürfnisse noch erfüllt werden: sauberes Wasser, saubere Luft, saubere Erde! Willkommen im Glück! Und niemand will es.

Jede kleine Errungenschaft unterwegs empfinden wir als kleines Abenteuer, selbst Wasser holen wird zu einem fühlbaren Erlebnis. Uns steht das gelungene Unterfangen als Freude im Gesicht, was ich sogleich mit einem leckeren Tee begießen möchte.

Burgos – eine große Satellitenstadt im Nichts: Autos, Einkaufszentren, Kommerz. Kontrastprogramm. Womöglich das einzige Einkaufsparadies im Hochplateau. Selbst Ikea sitzt mit einem Verkaufsbüro mittendrin. Das ist neu und ziemlich offensiv. Hier berät man die Kunden nur noch und liefert. Kein Kaufhaus, sondern Service. Moderne Strategien für eine postmoderne Stadt. Positiv auffallend ist ein richtig gut ausgebautes öffentliches Nahverkehrssystem mit Bus und Bahn. Immerhin! Und so treffe ich am letzten Tag des Jahres die Entscheidung: ein nächste Mal mit den Öffentlichen zu fahren. Ich liebe es, mit Bahn und Bus unterwegs zu sein. Es wird noch einmal mehr Verzicht auf Vieles. Kein Teestündchen an allen Orten dieser Welt. Oder vielleicht doch? Vor allem aber kaum Gepäck und noch mehr Mittendrin. Auto fahren hingegen macht unabhängig und sehr willkürlich. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, bringt eine große Zeit-Abhängigkeit mit sich. Die will vorher gut überlegt sein.

Valladolid ist die nächste Stadt auf unserer Reise. Wieder so eine Satellitenstadt mit Geschichte. M. bekommt hier seinen Cortado, das Auto frisches Öl. Beide sind happy, dann bin ich es auch.

Silvester in Spanien
Eigentlich fährt man an solchen Tagen an Hotspots wie Madrid oder Barcelona.
Nur liegen ausgerechnet diese zwei Ort nicht auf unserer Strecke. Im
Gegenzug zu M. bin ich wirklich gern an solchen Tagen unter Menschen. Also
können wir gut mit dem Kompromiss leben, in der schönen Stadt Salamanca zu
nächtigen und ein bisschen spanisch Neujahr mit zu erleben. Man weiß ja immer
erst im Nachhinein, ob es die richtige Entscheidung war.

Zum Abend erreichen wir die goldene Stadt, die so viel Geschichte zu bieten
hat. Wir sind ganz neugierig, aber auch fahrmüde. Auf dieser Reise ist der
Gedanke, der Weg ist das Ziel ein wenig zerrissen. Denn ein Ziel habe ich auf
jeden Fall: immer noch Portugal. Wohin in Portugal ist allerdings begrenzt
zweitrangig. Was solls. Wir sind also hier. In Salamanca. Ich habe während der
Fahrt durch die Hochebene ausreichend Zeit gehabt, mir die Stadt schön zu
lesen.


Wir fahren auf einen bei Camper bekannten Platz direkt am Fluss und wieder fast
unter der Brücke. Ein wenig fühlen wir uns wie Brückenkinder…
M. möchte den Standort für laute Böller nutzen, ich bin dagegen. Wir finden bestimmt eine
Lösung. Aber erst einmal gibt es jetzt ein ausgiebiges und köstliches
Silvestermenü: in Butter leicht angedünstetes Gemüse (in unserer niedlichen Minipfanne)
mit einem leckeren Salat (eigene Bohnen, Endivie, frischer Schafskäse, Apfel,
Topinambur, grüne und schwarze Oliven, Thunfisch und Gewürze). Und als
typisch spanische Beilage (und wenig nachhaltig) blaue Trauben.
Den Brauch in Spanien zu Silvester Trauben zu essen, fanden wir beide eine schöne
Bereicherung. Aber dazu später. Den Traubensaft, den wir in Belgien geschenkt
bekommen haben, gönnen wir uns als alkoholfreien Dessertwein.
Und als solches entpuppt er sich auch: hui ist das süß. Also schnell ein alkoholfreies
holländisches Bier dazu, spanisches Wasser (mit Zistrosentee) und schon haben
wir einen wundervollen Cocktail kreiert. Ganz bescheiden und doch mondän. Wir
haben Freude an dem, was wir hier werkeln. Und genießen ganz nebenbei die Ruhe,
angekommen zu sein. Irgendwo in Spanien.

Dabei ist die Stadt Salamanca eine Reise wert, wenn man schon einmal so tief in Spanien angekommen ist. Nach unserem Menü möchten wir die Stadt erkunden. Der Standort ist top, wir brauchen nur über die Brücke und sind mittendrin im alten Teil der historischen, königlichen Stadt. Wir sehen erst einmal nur Kirchen. Sie leuchten in der ganzen Stadt hervor und es sieht aus, als wenn sie alle miteinander verbunden sind oder eine willkürliche Einheit bilden. Die Gebäude sind aus wunderschönem, gelbem Sandstein gebaut zu einer Zeit, wo man wohl gut Geld generieren konnte. Wer auch immer die Zahlenden waren…

Die historische Uni, die die älteste Spaniens sein soll, erstreckt sich durch die Innenstadt in einer großzügigen Bauweise. Irgendwie erinnert mich all das hier an Jerusalem. Die massiven, gelben Steine, die wuchtigen Bauwerke, die Gassen mit den vielen Tavernen. Wirklich hübsch. Und so gar nicht typisch: fast alle Bars sind geschlossen. Aber davon sind wir ausgegangen, da in Valladolid schon in den Bars die Stühle hochgestellt wurden, kurz nachdem wir unseren Kaffee geschlürft haben.

Silvester also in Spanien. Hier ist erst einmal nix. Ich laufe immer gern den Menschen hinterher – ohne zu wissen, wo sie hinlaufen. Und das machen wir auch heute. Unvermittelt bleiben wir vor dem Plaza Mayor stehen: was für ein Anblick. Diesen beeindruckend schönen Platz mit seinem unergründlichen Mauern/ Häusern/ Läden hat der Alfonso der Stadt geschenkt. Weil die Bürger der Stadt so loyal waren in Bezug auf Erbfolgekriege. Wow. Das beeindruckt. Architektur und Geschichte. Ich bleibe unmittelbar davor stehen, weil die Energie ganz ungewohnt ist. Und so laufen wir in die nächsten Gassen: die Uni, das Muschelhaus, die Markthallen. Alles nebeneinander und miteinander verbunden. Einen weiteren Tag, Neujahr, habe ich mir dafür gewünscht.

Kurz nach 23.00 Uhr verlassen wir die Innenstadt, die Restaurants am Platz und in die in der Innenstadt sind voll mit Gästen. Silvesterbuffet. Da ist kein Platz für Touris, die einfach nur einen Wein oder einen Cortado trinken möchten. Außerdem wollen wir noch in Ruhe anstoßen. M. hat immer noch den wunderschönen Stoffbeutel unterm Arm mit all den Silvesterknallern und Feuerwerken, Reste aus alten Familienzeiten. An der Brücke hat er dann endlich die Möglichkeit. Ich bleibe bei meiner Stille. Es gibt ja genug andere Menschen, die zu Silvester Krach machen. Aber hier Spanien für deutsche Verhältnisse verhalten und ruhig.

Ein weiterer Brauch, den ich mir erlesen habe: Punkt 24.00 Uhr läuten die Glocken und mit jedem Glockenschlag isst man einen Weintraube, stellvertretend für die 12 Monate. Also begeben wir uns rechtzeitig auf die Brücke: nix. Stille. Wir warten. Prosit Neujahr und alle guten Wünsche dieser Welt. Auch die Camper unten sind weder zu sehen noch in Feierlaune. Komisch. Anstatt der erwarteten vielen Glockenschläge gehen die Lichter der vielen Kirchen einfach aus. Das war’s. Typisch spanisch gibt es um Minuten verzögert hier und da ein Feuerwerk. Eine holländische Camperfamilie gesellt sich zu uns auf die Brücke. Immerhin.

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