Silvester in Estepona

Wir fahren immer weiter in die Berge und letztlich entscheiden wir uns für den Weg durch die Sierra Nevada. Nebenbei ist uns durch unsere Abstecher in die Landschaft, die Welle vom Zahnrädchen rausgerutscht. Notwendig für einen Kilometerstand. Sicherheitshalber tanken wir und stellen fest, dass es eine gute Entscheidung war.
Während in Valencia die Tankstellen miteinander Monopoly spielen können, weil sie so dicht aneinander liegen, gibt es in Andalusien kaum Angebote. Durch die Weite der Landschaft, wenig Besiedlung und kaum erschlossene Orte fahren wir mit einem anderen Bewusstsein. Weggeknabberte Berge scheinen hier richtig zum Sport zu gehören. Egal, wo ein Berg im Weg steht, der Bagger schafft ihn. So schlängeln sich die Straßen durch die Berge, nicht um sie herum. Für den Anbau von Tomaten werden ganze Plateaus geschaffen. Und nebenbei wird der Abraum für gutes Geld an den Baustoffhandel verkauft.


Das man noch in den Höhlen der Berge leben kann, habe ich schon in Israel erlebt. Hier in der Sierra Nevada liegt es voll im Trend. Am besten noch ein selbst gebasteltes Satteldach als Mütze obendrauf. Fertig ist das Heim. Das inspiriert uns.

Ich liebe diese ursprüngliche Art zu leben: hier sieht es zwar für die heutige Zivilisation arm aus, aber wie reicht ist ein Mensch, der mit den wenigen Dingen des Lebens ein gutes Dasein führen kann: unabhängig von Zeit und Raum.

Sehnsüchtig schaue ich jeden Berg, die eingemeißelten Behausungen und Hütten an. Und endlich auch Maulesel. Das Lasttier, was mir in Albanien als wichtigstes Transportmittel in den Bergen begegnete.

Sierra Nevada



Mit Hilfe der Sonne ist hier fast alles möglich: der Anbau von Tomaten und Oliven, Gemüse im privaten Bereich, Pfirsiche, sogar Pappeln … die Mauren haben hier ganze Arbeit geleistet. Bis heute hat sich die Art des Bauens und der Kultivierung erhalten und kaum verändert.

Olivenplantagen


Wer weiß wie viele Höhlen hier noch entdeckt werden wollen. Aber noch viel interessanter finde ich, eine Bergwanderung in dieser Region zu unternehmen.
Das heben wir uns für später auf. Heute stehen Granada und Silvester an. Wir sputen uns, in die Spur zu kommen.
Granada gefällt uns, aber es ziehen auch hier Touristenströme. In Granada Richtung Alhambra. Diese steht denjenigen offen, die online gebucht haben. Dazu gehören wir nicht.

Playa del Christo


Silvester bleiben wir für ein paar Tage in Estepona. Wir stehen am großzügigen Strand am Ende der Stadt. Hier verirren sich viele Camper unterschiedlichster Nationen. Die Stadt ist touristisch wenig attraktiv, aber vom Klima, dem Miteinander und dem Standort fast perfekt. Vor allem Rentner mit ihren großen Wohnmobilen stehen hier, um einen ganzen Winter Wärme zu tanken.


Das Hinterland von Estepona wiederum hat so viel zu bieten, dass wir mehr als einen Monat hier verbringen könnten. Doch unser nächstes Ziel ist Portugal. Ich freue mich riesig auf dieses Land. Seit Jahren wünsche ich mir, Begegnungen und Strände. Handwerk und Ursprünglichkeit. Und alles, was dieses Land noch zu bieten hat.

Estepona


Portugal rückt ein bisschen nach hinten, weil wir auf einen Brief aus Deutschland warten. Da wir gut aufgehoben sind in Estepona, fällt es uns gar nicht schwer. Giri und seine Familie zeigen uns ein bisschen spanisches Miteinander, was wir durchweg genießen.
Da zu Hause ein Geburtstag ansteht, bringen wir kurz nach Neujahr ein Paket zur Post. Zumindest ist das der Plan. Einen halben Tag verbringen wir damit, einen geeigneten Versender zu finden. Trotz Giri und seinen Fähigkeiten wird es ein kleines Abenteuer. Nach Deutschland scheinen die Verbindungen mit Südspanien wenig ausgebaut zu sein. Niemand interessiert sich wirklich dafür und fast jeder schüttelt mit dem Kopf. Und schon gar nicht, ein Paket aufgeben ohne fertig ausgefüllten Beleg. Trotz alledem schaffen wir es gemeinsam: vier Tage später soll das 18kg schwere Paket den Zielort erreichen. Dass das nur eine schöne Vorstellung bleibt, wissen wir nach vier Tagen. Zum Geburtstag kommt es gewiss nicht pünktlich an. Genauso wenig wie unser Brief. Er verzögert sich um ganze zwei Wochen. Unsere Weiterfahrt nach Portugal ebenso.

Der Brief aus Deutschland, der ein wichtiges Dokument enthält, bleibt vorerst irgendwo hängen. Da hilft auch keine Sendungsnummer. Die verliert sich an der Grenze zu Deutschland. Herrje. Im Zeitalter des Computers bleibt am Ende doch ein Ach. Zumindest für mich und meine Befindlichkeiten.

Prozession


Silvester in Estepona (und in Spanien wohl generell) sind völlig unspektakulär. Eigentlich nimmt kaum jemand Notiz davon. Die Läden haben ja sowieso fast immer geöffnet und Feuerwerk gibt es hier fast überhaupt nicht. Wie angenehm für Mensch und Tier.


Fünf Tage später gibt es dafür den fröhlichen Vorabend zu den Heiligen-Drei-Königen. Heute wird gefeiert und prozessiert. Menschenmassen sind unterwegs, stehen an den Straßen und warten auf den Umzug. Irgendwann kommen die vielen lustigen Wagen: kein Priester, keine Kirche, kein Bürgermeister… Bart Simpson und Co begrüßen uns fröhlich und verteilen unendlich viele Bonbons. Alle sind glücklich und laufen dem ganzen Tross hinterher. Wir auch. Ganz klar.

Weihnachtsbaum nach unserem Geschmack

Da wir in den letzten Tag viel Zeit haben, schaffen wir es, ein Dachfenster einzubauen. Am Strand liegt ausreichend Holz. Das Fenster haben wir auf dem Weg nach Estepona in einem Campingausrüster erworben.
Seit Frankreich war uns klar, dass wir für die Entlüftung ein Dachfenster einbauen werden. Und das nicht erst in Deutschland. Gemacht, getan. Stichsäge, Akkuschrauber, Holz. Einen Meßschieber hat M. sowieso dabei, den benötigt er nicht nur zum Messen. Auch Fingernägel kann man damit prima sauber bekommen.


Die Montage war kein Problem, das Sägen ist weniger angenehm (GFK), aber nach zwei Stunden war alles fertig. Große Freude bei uns. Einen Waschtag haben wir für den nächsten Tag eingeplant. Viel Wäsche benötigen wir nicht. In den Waschsalons gibt es zudem riesige Maschinen. Das gefällt uns. Ein Abwasch sozusagen.

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