Zwischen Denia und Xabia

Mirador bedeutet: Ausblick oder Aussichtspunkt in die Landschaft – frei übersetzt. Wir finden einen wunderschöner Mirador zum Übernachten an den Klippen. Diese Punkte werden uns noch oft auf der Reise begleiten.


Meeresrauschen inklusive. Das Navi führt uns den ganzen Tag an der Nase herum. Also auch am Abend, aber wir sind so begeistert von der Landschaft, unserer prächtigen Ernte und der Nähe zum Meer, dass es uns wenig tangiert. Wir fahren wie fast immer auf Nebenstraßen in Richtung Parc Natural. Die Parks haben sich bisher immer als sehenswert, geschützt und ursprünglich präsentiert. Es gibt keine Wege in die Landschaft bzw. Berge, dafür aber gut herum geführte. Und immer Rastplätze und sehr viele Entsorgungsmöglichkeiten entlang der Straßen.

Was uns in ganz Spanien beeindruckt, ist die Müllentsorgung: zu jeder Tages- und Nachtzeit wird hier der Müll durch die öffentliche Hand bereinigt. Selbst an den Feiertagen laufen die Einsatzkräfte und sammeln ein, was eigentlich jeder selbst recyceln könnte. Dadurch wirken die Städte stets sauber und plastikfrei. Wie letztendlich dieser Müll entsorgt wird, bleibt uns verborgen. Jenseits der Metropolen gibt es zwar immer noch jede Menge Container für den Müll, aber privat hat man offensichtlich weniger Interesse, die wirklich schöne und prächtige Landschaft sauber zu halten. Da jede Handlung einen Erfolg in dieser Hinsicht nach sich zieht, wird auch die ländliche Region irgendwann den Anspruch haben, es den Städten gleich zu tun.

Ein paar Gedanken muss ich loswerden zum Thema Müll und reduziertem Bulli-Dasein:
Durch unseren Einkauf produzieren wir täglich Plastikabfall. Zwar können wir ihn jeden Tag problemlos „LOS WERDEN“, aber das ist nicht das Ziel.
Wir haben tatsächlich noch keinen einzigen regionalen Markt entdeckt, obwohl wir im Land der Märkte sind. Was uns aber massiv begleitet, fast wie eine never ending story, sind die unendlich vielen, riesigen Supermärkte. Wie Perlenketten reihen sie sich aneinander. Orte scheinen keinen Anfang und kein Ende zu kennen. Sie bestehen für den Durchfahrenden nur aus Gewerbegebieten. Um Spaniens urbanen Stadtkern kennen zu lernen, muss man sich richtig überwinden, in die Enge der Straßen und letztlich in das spanische Leben einzutauchen. Wenn man aber nur ein wenig teilhaben möchte, entscheidet man sich für den mainstream und landet gezielt in den Supermärkten, die da heißen Aldi, Supermercado und Co…


Wir versuchen immer wieder unverpackte Ware zu finden. Kaum möglich. Nur durch das Mitbringen der eigenen Tüten können wir das ein oder andere Mal reduzieren. Seit Spanien haben wir auch kein trinkbares Wasser mehr aus der Leitung. Bis in die Bergregionen hoch ist das Wasser gechlort. Deshalb entscheiden wir uns resignierend fürs Wasser kaufen. Nun kommen zu unseren Obst- oder Gemüseverpackungen auch noch der tägliche 8l Kanister als Müll hinzu. Hätten wir den Platz, würden wir alle Kanister mit Olivenöl unterwegs füllen lassen. Haben wir nicht. Eine Idee zur Wiederverwertung habe ich aktuell auch nicht.
Zum Glück finden wir dank intensiver Suche doch wieder Wasser auf unseren Wegen und haben gerade einmal drei Kanister käuflich erwerben müssen. Was für ein Erfolg!

Am liebsten wäre mir ein Verbrennungsmotor, der das alles futtern kann. We pick up plasctic… und fahren damit durch die Welt. Einen Ofen mit Verbrennungsmotor wünsche ich mir schon seit einiger Zeit von geprüften Ingenieuren. Davon soll es ja etliche geben.
Gleich fallen mir zum Thema Diesel ein paar Gedanken ein: M. hat das Auto weitestgehend so umfunktioniert, dass wir recht sparsam unterwegs sind. Das noch mehr geht, wissen wir nach den ersten Tagen und freuen uns auf kommende Touren mit einem Drittel weniger Verbrauch. Heutige Autos in dieser Kategorie verbrauchen leider ein Drittel mehr als wir derzeitig als Durchschnitt abrechnen: mit 8l kommen wir über Stock und Stein.

Im Alltag daheim bevorzuge ich seit vielen Jahren Erdgas, bin aber an wirtschaftliche Grenzen gestoßen. Als wir das Auto vor vielen Jahren kauften, war das Versprechen groß: Erdgas an jeder Tankstelle, gar kein Problem. Heute nach über 15 Jahren sieht es so aus: Erdgas bekomme ich inzwischen in Deutschland nur an ausgesuchten Tankstellen. Oftmals sind die Säulen defekt oder wurden wieder abgebaut. Und hinter der Grenze hört es fast ganz auf. Ich kenne gegenwärtig kein besser funktionierendes System als Erdgas. Und aus diesem Grund ist es nicht am Markt.


Mehr zufällig entdecken wir die Cova del Gamell, eine kleine Höhle, die man sich erwandern darf. Der Mirador ist einzigartig, egal, wo man steht. Im Hintergrund der Massis Del Montegó, auf den viele Besucher kraxeln. Da M. Probleme mit dem Laufen hat, ist die Höhle die richtige Wahl.
Als wir uns mit dem Auto weiter durch den Park schlängeln, sehen wir, wie hoch der Massis war und auf welcher Höhe wir uns bewegt haben. Jetzt sind wir richtig beeindruckt.
Mit dem Ende des Parks ändert sich auch die Landschaft. Keine Orangenplantagen mehr, wieder Terrassen und alte Weinstöcke, weniger Weinberge.
Verlassene Höfe haben wir auf unserer bisherigen Reise oft gesehen, doch hier gibt es wohl einen großen Wandel: die Landwirtschaft wird für den Tourismus aufgegeben bzw. geopfert. Wenige Kilometer weiter wissen wir warum: wir sind an der Costa Blanca. Die Fahrt allein durch die Berge, mit Blick auf die Küste, ist Nahrung für die Seele. Es macht uns Spaß, hier sein zu dürfen. Frei in fast allen unseren Entscheidungen.
Doch was bedeutet frei? Auf unserer Reise treffen wir wenige Aussteiger. Und sie bestätigen meine ganz persönliche Einstellung: das System, in dem wir in Deutschland integriert sind, entspricht wenig unseren Erfahrungen, Vorlieben und wahrhaftigem Lebensgefühl. Das auch dieser Weg in die Unabhängigkeit Grenzen hat, macht ihn nicht weniger attraktiv. Eine Auslandskrankenversicherung, die weit mehr abdeckt, als unsere Pflichtversicherung im eigenen Land, kostet kaum etwas. Meine Krankenkasse versucht wie jedes Jahr, mir gerade nachzuweisen, dass ich viel mehr löhnen muss. Das ist mir in meiner Selbständigkeit gar nicht möglich. Auch aus diesem Grunde suche ich seit vielen Jahren nach einer vernünftigen Lösung. Ich habe zwar rechtzeitig reagiert, aber dann doch nicht den Austritt beantragt. Inzwischen ist es fast unmöglich geworden, diesen Verpflichtungen zu entkommen. Ich arbeite daran und freue mich, demnächst berichten zu können, wie man es trotzdem schafft. Das Thema KK ist für mich ein sehr bewegtes Thema, da ich die Eigenmächtigkeit meiner KK durch die BG aufgedrückt, kaum beschreiben noch nachvollziehen kann. Es ist ein Grund, warum ich Deutschland weniger als Land zum Leben empfehlen kann. Doch die Eigenwilligkeit der KK kennt wohl fast jeder Selbständige. Nur geben sich fast alle damit zufrieden.

In Calp suchen wir uns keinen Schlafplatz, aber bleiben am Ende doch vor dem beeindruckend großen Massiv im Hafen stehen. Hier wird noch richtig gearbeitet – alles andere ist purer Tourismus bzw. Hochhausgigantismus.

Baden und Frühstücken gönnen wir uns direkt und zufällig vor dem Haus Edificio „Xanadú“, was bedeutet, dass sich hier Ricardo Bofill vor über 50 Jahren ein Denkmal gesetzt hat. Als wir sehen, dass es ein so besonderes Haus ist, gönnen wir uns einen Einblick.

Ansonsten ist Calp für uns doch mehr ein Durchreiseort. Das noch mehr geht, sehen wir später auf der Strecke: in Benidorm – ein ehemaliges Fischerdörfchen. Weit weg vom ehemaligen Dorf gleicht es heute einer Großstadt. Massiv sind nicht nur die Berge, die diesen Ort prägen, sondern auch die unverschämt hohen wie modernen Feriensilos. Wer es mag, der wird sich hier wohl fühlen. Es fehlt an nichts: jede Menge Shoppingmalls, Strand und Cafés. Es ist fern meiner Vorstellungskraft, dass so viele Menschen in einen Ort passen, wenn alle Appartements gebucht wären. Ich entscheide mich für eine Denkpause.

Ein Kommentar zu „Zwischen Denia und Xabia

  1. Liebe Kristin. Ich habe den Bericht verschlungen und bin begeistert, inspiriert und so neugierig, was ihr in den nächsten Tagen entdeckt und erlebt. Danke, dass du uns daran teilhaben lässt. Alles regt mich zum Nachdenken an und weckt Lust, gleich los zu fahren. Heiko und ich sind ja bereits der gleichen Reiselust und Interessiertheit verfallen. Ihr habt meine volle Bewunderung für den Mut, die Auszeit zu nehmen. Freue mich auf alles, was da noch kommt. Heike

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