… und weiter Richtung Süden

Aussichtsplattform

Wir sind nach fünf Tagen Barcelona wieder auf der Straße Richtung Süden unterwegs. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom. So geht es uns auch und wir entscheiden uns stets für die nahe Verbindung zum Wasser.
In Barcelona sahen wir uns noch freudig den sehr jungen Botanischen Garten an, in dem die mediterrane Flora aus der ganzen Welt vereint zu sein scheint. Ein Erlebnis der Düfte. Im Frühling und Sommer sicher auch der Farben, Blüten und Früchte. Aber mich beeindrucken schon die vielen mediterranen Pflanzen, die ich in dieser Fülle sehen, anfassen und beschnuppern kann.

Botanischer Garten Barcelona

Bevor wir weiter fahren, wird repariert. Das Rad vorne kurz abgeschraubt, die Bremsteller sauber gemacht, mein Sitz endlich gefügig und wir sitzen wieder im Bus.
P.S. Die Teller heißen Bremsscheiben. Ich hätte sie auch als Teller verwenden können. Aber ich bin auf dem Gebiet keine Fachfrau. Ich assistiere und lerne geduldig.


Hunger treibt uns in den nächsten Supermarkt, weil bio gibt es hier nur im Supermercator und Co. Die Supermärkte sind dafür gut aufgestellt und wir schlemmen uns durch. Alles lecker.


Tarragona nutzen wir für einen kurzen Zwischenstopp. Als Wünscheerfüller finde ich sogar noch eine offene Lotteriebude. Yeah. Wir spielen El Gordo. Das teuerste Los, was ich je bezahlt habe. Aber er ist es, der diesen Wunsch auf der Liste hat. In zwei Tagen sitzen wir dann gemeinsam mit Einheimischen im Café, um die Auslosung mitzuerleben. Das ist wie Weihnachten und Sylvester auf einen Tag… wenn man gewinnt.

Tarragona

Wir übernachten mitten in Reisfeldern. Richtig anschauen können wir unseren Platz erst am Morgen, da die längste Nacht des Jahres auch hier gegen 18.45 Uhr das Licht ausknippst. Wir erlauben uns irgendwo im Nirgendwo ein kleines rituelles Feuer zu zünden. Zur späten Nacht bläst der aufkommende Sturm nicht nur das Feuer aus, sondern auch unsere Asche wie Glühwürmchen Richtung Wasser.

… Glühwürmchen, Sternenhimmel, Sturm, Wärme, Schlafen…

Der Sturm ist so gruselig.
Man kann ihn hören, bevor er aus den Bergen runter fällt und uns richtig durchschüttelt. Alle zwei Stunden wiederholt sich dieses Spiel. Puh. Ich will hier weg!
Zwei Tage später erfahren wir durch Nachrichten aus der Heimat, dass es doch kein einfacher Wind gewesen sein kann. Wieder einmal ein Unwetter, was ein Synchro namens Humboldt uns standfest aushalten lässt.

Am nächsten Morgen: Zweihundert Meter hinter den Reisfeldern ist das Meer, von Menschenhand verändert. Kleinen Fischerhafen dem Wasser abgerungen und wohl Menschen Lohn und Brot bringend. Schön ist das nicht, aber brauchbar. Auch Strom scheint hier erzeugt zu werden: mit der beeindruckenden Spirale von Sokrates. Mittels Spirale wird das Wasser hochgepumpt oder besser gesagt geschöpft. In der Dimension habe ich die Spirale noch nie gesehen. Immer nur als witziges Spielgerät auf anspruchsvollen Kinderspielplätzen. Wir genießen auf engsten Wegen, die eigentlich ja nur Dämme sind, diese Begegnung mit der Urkraft des Meeres.
Wenige Kilometer südlich wird das Wasser wie zu römischen Zeiten genutzt.

Wir nähern uns stetig Valencia und dem riesigen Anbaugebiet unserer geliebten Zitrusfrüchte. Ein Eldorado schlechthin. Und alle Flächen mit Bewässerung. So stelle ich mir einfaches Know how im Gartenbau vor. Anstelle kurzlebiger und intensiver Anlagen, die nur dem Trend entsprechen. Mit Nachhaltigkeit hat das wenig gemein.

Getreu unserer Liebe zum Meer bewegen wir uns weiter gen Süden – die Küste im Blick. Zwischen Orangen-, Mandarinen- und Kakiplantagen finden wir einen Weg.
Ein beim Bau von Bewässerungsgräben entdecktes römisches Landgut. Hier machen wir Rast. Auf der kleinen Plantage nebenan wird gerade geerntet. Die Jungs sind gut drauf.
Wir fragen einen älteren Herrn, ob er uns Orangen verkaufen mag und dürfen ein paar in seinem Garten pflücken. Bezahlt haben möchte er nix und wünscht uns ein gutes Neues Jahr. Hungrig verschlingen wir die erste echte Valensina. Lecker. Wir wollen mehr.

Zwischen den vielen noch bewirtschafteten Bereichen gibt es immer wieder aufgegebene Felder. Wir ernten für die kommenden Tage und vor allem Weihnachten Orangen, Mandarinen und Kakis. Ein Fest.

Kakibäume

Ein bisschen faul sind wir inzwischen geworden, so dass wir uns einen ruhigen Platz direkt am Mittelmeer schon früh am Tag suchen.
Da M. so gern am Auto bastelt, braucht er Zeit. Es gibt noch so viel am Auto zu verändern. Und eines haben wir seit Barcelona: Zeit.
Dieses Gefühl kenne ich seit 30 Jahren fast nicht mehr. Ausatmen und genießen: Zeit! Fast hatte ich vergessen, dass es sowas gibt und dass ich selbst in der Hand habe.

Platja de Nules

Die Nacht direkt am Meer genießen wir wieder mit einem kleinen Feuer aus gesammeltem Holz. Ein bisschen versteckt, werfe ich ein. Denn eigentlich ist freies Campen wohl nicht erlaubt. Bisher haben wir nur gute Erfahrungen gemacht. Und überhaupt gefällt uns die ruhige spanische Lebensart. Viel anders als erwartet. Auch auf den Straßen geht es ruhig zu. Wir haben auf der ganzen Strecke keinen einzigen Unfall gesehen.

Wir brauchen wieder Wasser. In Barcelona war das Wasser gechlort. Zum Glück habe ich einen Wasserfilter mit. Chlor gast gut aus, aber der Geschmack des Wassers muss schon stimmen. Eine ganze Ladung schütten wir weg. Unterwegs bei Nules haben wir uns mit Wasser eingedeckt. Das hat so brackig geschmeckt, es ging bzw. trank sich gar nicht. Als passionierte Teetrinkerin brauche ich einigermaßen gutes Wasser. Der Kalkgehalt aus der Heimat ist für Tee an sich ein no go und Chlorgeschmack geht ebenso wenig.

Kurz vor Valencia machen wir eine Pause in … bei der Quelle von Sant José. Zum einen hat sich das Tanken hier gelohnt, Aldi statten wir das erste Mal seit Deutschland einen Besuch ab, aber eigentlich: weil hier eine Quelle bzw. ein unterirdischer Fluss in einer Grotte zu bestaunen ist. Das Wetter ist traumhaft, warm, sonnig und wir schauen uns den Ort ein wenig an. Campertreffen auf dem großzügigen Parkplatz. Wer`s mag, ist hier willkommen: Spanien, Niederlande, Deutschland, Russland, Teschien… Wir fahren später weiter.

Die Grottenlandschaft darf man vom Boot aus bestaunen und erkunden. Beeindruckend in jeder Hinsicht. Später testen wir einen der vielen Wasserspeier; die stille Hoffnung auf gutes Bergwasser trage ich stets bei mir. Doch auch hier ist das Trinkwasser ausreichend mit Chlor angereichert. Inzwischen kann ich es von weitem riechen.

Zwei Dinge sind uns auf unserer Reise wichtig: das immer frische und hochwertige Wasser und die Möglichkeit auf Toilette zu gehen. Unser Porta Potti haben wir dabei. Ich möchte es auf keinen Fall missen. Ein winziges Toilettchen, aber in jeder Hinsicht sehr gut zu gebrauchen. Ab und an müssen wir es entsorgen und da wir ohne Chemie arbeiten, geht diese Aufgabe relativ unkompliziert. Auch hierfür benötigen wir regelmäßig Wasser. Das darf dann gern gechlort sein.

Wir passieren Valencia und suchen uns zum Abend einen super schönen Platz am Meer südlich der Stadt. Ein Eldorado: direkt am Parc Naturales und am Meer. Hier bleiben wir über Weihnachten stehen. Ich hätte mir noch ein paar coole Mitcamper gewünscht, aber alles kann man auch nicht haben.

Am ersten Weihnachtstag schauen wir uns Valencia an und sind von der Stadt, der Architektur und der Mentalität begeistert. Es gefällt uns hier. Ich bin allerdings die einzige, die hier großzügig ohne Strümpfe und nur in Schlappen durch die Straßen läuft. Ich fühle mich etwas unwohl. Heute sind Pelze und Stiefel angesagt bei immerhin 27° Grad in der Sonne. Ole.

Die Geschäfte sind ganz klar auch im Winter mit Klamotten nicht zu toppen. Also muss der Pelz und auch die Mütze im Winter bei über 20°Grad getragen werden. Ich bin a little bit amused und die Spanier sicher von mir und meinem hippieähnlichem Aussehen.

Wirsind lustig weiter auf Erkundungstour. Aber heute fahre ich.
Darauf war ich nicht vorbereitet. Schließlich bin ich die geborene Co-Pilotin und manage alles nebenbei. Und so wird diese Tour etwas ungewöhnlich, weil kein Ziel vom Co-Piloten eingegeben wurde. M. beobachtet hingegen mein Fahren und die Landschaft vom Beifahrersitz aus. Diese Position nimmt er so selten ein, dass er nur am Wundern und Staunen ist.
Ich nutze unauffällig eine kurze Pause und suche unverzagt drei interessante attractions am Wegesrand für uns heraus.

Das erste Ziel: Cova del Bolomor. Wieder mal eine Höhle aus vergangenen Zeiten…


Bolomor … die erste Behausung

Manchmal wird nicht das Ziel, sondern der Weg dorthin interessant.
Zum einen landen wir mitten in einer Orangenanlage, nicht Plantage, die frei zum Ernten zur Verfügung steht. Wir sind sofort im Rausch. Sind die süß und lecker.
Zum anderen ist der Weg zur Höhle aufregend, weil botanisch ausgeschildert. Endlich wieder ein bisschen Fachwissen über die Flora Mediterrana. Das Herz lacht. Zwei Gehölze, die ich noch nicht bestimmen konnte, aber an jeder Ecke zu finden sind, einsortiert ins Hirn. Herz und Seele sind begeistert. Am Ende auch der Bauch. Wir knabbern die Schoten vom Johannisbrotbaum. Die Schoten habe ich zwar schon sooft auf der Erde liegen sehen, aber konnte sie nicht zuordnen. Also sammeln wir neben Orangen auch noch die geschmackvollen Carobschoten ein.

Die Höhle selbst ist geschlossen.



Wir fahren weiter und unser Navi linkt uns erneut. Ich sitze zum Glück wieder an meiner Co-Pilotin-Position. Ein normaler Bus schafft 28-50% Steigung, der Synchro schafft 54-70% Steigung. Sonst wären wir hier rückwärts gerollt. M. fährt solide die Straßen rauf und runter. Eigentlich waren wir wieder mal auf der Suche nach Wasser, aber wir stehen irgendwo vor einem verlassenen Castell, das mit dem Auto kaum erreichbar ist. Mit Wasserkanister ausgerüstet, müssen wir auch zu Fuß bald aufgeben. Hier gibt es gar nichts mehr. Außer private Wohnbereiche.

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