… und weiter durch Frankreich

Beginne deinen Tag nicht mit den zerbrochenen Stücken von gestern. Jeder Tag, an dem wir aufwachen, ist der erste Tag vom Rest des Lebens.

Eine ruhige Nacht am Ufer der Loire. Der einzige der diese Nacht stresst, ist mein gepeinigter Mitbewohner. Es ist nicht einfach, gesund und glücklich zu sein. Entweder oder? Nachdenklich. Alles muss raus. Unten wie oben. Aber ich habe gut geschlummert und kann als Stütze da sein.
Trotz alledem darf man jeden Tag genießen, soweit man seine Hausaufgaben erledigt. Dass das nicht immer einfach ist, weiß jeder. Doch frage ich mich, inwieweit man vor lebenswerten Aufgaben die Augen verschließt. Wo liegen die Ursachen bei jedem von uns? Es ist doch alles da.

Mein physikalischer LIEBLINGssatz ist der ENERGIEerhaltungssatz.

Und wenn ich den runter breche auf ein MENSCHENLEBEN, wird mir immer wieder bewusst, dass auch hier die Energie nicht endlich sein kann. Also muss ich schauen, wie ich mit mir und meinem Leben haushalte. Zumindest ist das in meinem Kopf so.
Da es ist, wie es ist, wandern wir die Loire entlang.
M. darf sich ausruhen, schlafen, trinken; um wieder in seine Kraft zu kommen. Ein ganzer Tag in Ruhe tut uns beiden gut.

Mehr als eine Woche mit Humboldt in der Botanik…
Wir stehen mitten in Frankreich, waren in Orleans ohne uns die Stadt anzuschauen, aber haben die Nähe zur Loire genossen. Die Kühlung ist desolat, so dass wir uns um einen Service vor Ort kümmern müssen. M. kann zwar fast alles selbst reparieren, doch diese wichtige Ersatzteil liegt zu Hause. Wir haben das ganze Auto auseinander genommen, um festzustellen, das genau dieses Teil nicht an Bord ist. Mist.
Wir beschäftigen uns mit sortieren und guten Wassertankstellen. Gutes Wasser an Bord zu haben, ist ein Traum. Damit füllt sich schon ein Teil unseres begrenzten Raums.

Der Kühlerflansch hatte ein Leck. Am Morgen stehen wir vor der Teilewerkstatt und nach über einer Stunde gibt es eine Lösung: ein Bullihändler kommt mit seiner deutschen Frau zufällig in den Laden und weiß sofort bescheid. Er bietet uns seine Hilfe an und überlässt uns seine Werkstatt. Das kaputte Teil bekommen wir von einem Kollegen, der noch einen Motor zu stehen hat. M. ist überglücklich und wir rattern die 6 km durch Olivet.
Nach knapp einer Stunde sind wir wieder fahrbereit und bedanken uns herzlich, lassen eine Flasche unseres selbst produzierten Cidre und unsere Adresse dort. Alle sind happy.

Jungfrau von Orleans = Jeanne d’Arc


Endlich… wir machen uns auf den Weg Richtung Dordogne. Als nahes Ziel haben wir uns die Höhlen und die Landschaft dieser Region rausgesucht. Lascaux gehört zu meiner blühenden Fantasie aus Kindertagen. Vorher machen wir einen kleinen Abstecher nach Nahont. Ich bin bekennender Fan von Georges Sand. Die Frauen dieser Zeit waren in ihrer Art und Hartnäckigkeit, ihrem Stil zu Leben (insbesondere das Liebesleben betreffend) großartig. Für mich. George Sand war eine viel gerühmte Schriftstellerin mit großer Bühne. Laut Google kamen wir rechtzeitig an ihrem Wohnsitz an, vor Ort schloss man gerade die Tür zu. Nun zumindest durften wir kurz den wunderschönen Innenhof betreten und eine Prise vergangener Zeiten einatmen.



Auto aufgeräumt bzw. sortiert. Zwei Menschen sind fröhlich, Platz. Mehr Platz. Tief durchatmen. Auch wenn so ein Auto die Freiheit möglich macht, hat man nicht automatisch das Gefühl von Freiheit. Jeder Tag bedeutet, sich neu zu begegnen und das auf allen Ebenen. Das tut auch Stunden weh, weil wir nicht täglich gleich ticken und unterschiedliche Bedürfnisse haben. Für mich bedeutet die größte Freiheit, zu reden. Miteinander statt gegeneinander. Die Reise ist unsere Jungfernfahrt – für uns und für das Auto.

wow… plastische Naturschönheit… Frau


Nach viel Regen, Wind und kühlen Temperaturen ist endlich Sonne angesagt. Kalt darf es auch mal sein, aber unsere Batterie freut sich genauso wie wir über wärmende Sonnenstrahlen. Wir fahren doch gen Süden…
Cascade des Jarrauds – des Wasser sammelt sich aus den Bergen. Unglaublich. Und rauschend. Doch viel interessanter für mich ist das satte Grün überall. Pflanzen, die ich in Gärten zur Gestaltung nutze, finde ich hier wildwachsend wieder. Moosbommeln hängen von den Bäumen. Von der Vielzahl der Flechten ganz zu schweigen.

Flechten

Saubere Luft, sauberstes Wasser. Reiche Landschaft. Eine große Gelassenheit ausstrahlend. Bestimmt nicht up to date.
Die Dordogne ist wunderschön. Doch hat sie auch für uns etliche Tücken. Auch wenn wir mit einem Synchro unterwegs sind, langsam und sehr gemächlich. Die Kurven sind alles andere als fahrtauglich. Es fällt und wirbelt um uns herum. Ausweichmanöver auf engen Straßen, gutes Wasser am Rande aufsuchend (Peyrat le Chateau) und in der nächsten Kurve im ganzen Auto verteilt. Literweise. Zu dumm, wenn man den Kanister bei den Höhen, Abfahrten und Windungen nicht ausreichend sichert.

Trotzdem genießen wir diese charmante wie reduzierte Naturlandschaft: die Berge, die Wälder, die rauschenden Wasserfälle  bzw. das Spiel zwischen Berg und Tal und wildes Wasser herab sausend. Stauseen, verlassene und wieder hergerichtete Landsitze. Die saubere Luft, die an den Moosen und Flechten gut erkennbar ist.

Moosbommeln

Wir fahren nach Gimel le Cascades. In der Dämmerung kommen wir im Vollmondlicht an.
Die Historie reicht weit vors Mittelalter zurück. Die verlassene und zerstörte Burg wird beschaulich ausgeleuchtet, so dass wir auch in der Dämmerung noch hochwandern können. Und gerade das macht es so einzigartig. Wir sind umringt von Wasser, was mit Getöse um die Burg rauscht. Beeindruckend. Fast Vollmond.
Nebelschwaden durchziehen die Täler. Ist das schön, diese Landschaft…


Später wieder Regen, eigentlich sind wir dem trüben Wetter in Deutschland davon gefahren. Hat nicht funktioniert. Es ist kühl bis kalt und nass bis Regen. Da müssen wir nun durch. M. kocht am Abend eine leckere (wie immer vegane) Hülsenfruchtsuppe. Nenne ich das mal. Erbsen, Bohnen, Linsen, Ingwer, Möhren und ein paar frische Kräuter von der Wiese.

Am Rande der Dordogne freue ich mich besonders auf die Cro-Magnons und deren Höhlen. Lascaux II wollen wir besuchen, Lascaux IV möchte Mitbewohner M. heute nicht. Wir stehen vor verschlossener Tür, es regnet. Die Luft ist schön, der Weg dorthin beruhigend. Die Natur sehr wohltuend.
Ich schaue mir an, was hier wächst. Macht Spaß.

Weiter zur nächsten Höhle. Auch hier werden wir erst einmal enttäuscht: nur mit Führung, die nächste in knapp zwei Stunden. Grummel. Hartnäckigkeit auf der anderen Seite. Wir warten im Bus und machen es uns gemütlich mit Tee und leckerem Essen vom Vortag.
Und dann geht es los in einer der letzten originalen Höhlen, die noch zugänglich sind. Purer Genuss: der Ort, die Gerüche, die Atmosphäre, selbst die Führung (französisch) macht Spaß. Die Frau hat Esprit und lässt uns in die Geschichte eintauchen.


Weiter geht’s nach Sarlat.

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